Diese Cowboys sind ein Hit: The BossHoss feiern Jubiläum

Kassel. Mit Eis-Werbung sind The BossHoss einst bekannt geworden. Zehn Jahre später gibt es die Großstadtcowboys aus Berlin immer noch - und zwar erfolgreicher denn je. Wir haben sie getroffen.

Als The BossHoss am Dienstag in Kassel aus dem Tourbus steigen, sehen die beiden Berliner Country-Musiker aus, als kämen sie von einem langen Ritt durch den Wilden Westen nach Hause. Sascha Vollmer alias Hoss Power und Alec Völkel alias Boss Burns sind müde und haben seit zwei Tagen nicht geduscht, wie ihr Tour-Manager sagt. In diesem Zustand wird es nichts mit dem verabredeten Video-Interview, lautet die Ansage.

Dann bringt ein Maskenbildner die ausgebildeten Werbegrafiker doch noch in Form. Anschließend geben sie beim Hessischen Rundfunk in Wilhelmshöhe ein von 900 Fans umjubeltes Konzert auf einem Truck. Anlass ist das neue Doppelalbum. Im Interview sehen die Großstadtcowboys Vollmer und Völkel (beide 43) dann so perfekt aus, dass jede Saloon-Dame hin und weg wäre.

DIE COVER-BAND

Bekannt wurde die Band 2004, als Langnese ihre Country-Version des Werbesongs „Like Ice In The Sunshine“ für einen Spot verwendete. Auch auf dem Debütalbum nahmen BossHoss alte Hits neu auf. Heute wäre das ein alter Hut, aber damals kam es an.

Trotzdem hörten sie immer wieder: „Mit Cover-Songs kann jeder groß werden.“ Dieses Image haben sie nach neun Alben in zehn Jahren längst abgestreift. Darum besteht die eine Hälfte des neuen Werks „Dos Bros“ aus Cover-Songs. „Mittlerweile haben wir so viel Abstand dazu gewonnen, dass wir es noch mal wagen konnten“, sagt Völkel. „Es ist ja nichts, das man von sich weisen muss.“ Erst recht, wenn die alten Songs so anders und gut klingen wie „Easy“ von Faith No More und „Jolene“, einst ein Hit von Dolly Parton.

DAS GROSSE EGO

Auch sonst überzeugt das Album mit fetzigem Country und Southern Rock sowie Gästen wie Rea Garvey und Nena. Ein Hit ist die Single „DosBros“, in der sich die Band-Gründer selbst auf die Schippe nehmen. Im Grunde geht es darum, dass Hoss Power und Boss Burns die dicksten Eier haben. „Das stimmt zu 120 Prozent“, sagt Völkel: „Wie alles bei The BossHoss ist das aber mit einem Augenzwinkern zu sehen.“

Das dazugehörige Video mit vielen nackten Frauen in der Wüste sieht aus, als hätte Quentin Tarantino einen Russ-Meyer-Film gedreht. Aber selbst den sexistischen Macho nimmt man The BossHoss nicht krumm.

DIE KARRIERE

The BossHoss können sich fast alles erlauben. Wenn andere Musiker in eine Casting-Jury gehen, fragt man sich: Muss das sein? Vollmer und Völkel dagegen haben aus „The Voice of Germany“ das erfolgreichste Format gemacht. Nach drei Staffeln sind sie nun ausgestiegen, um wieder Zeit für die eigene Musik zu haben.

Von außen betrachtet ging es für The BossHoss immer nur bergauf. Für das neue Album arbeitete die Band in Nashville mit US-Songschreibern zusammen. Selbst die Profis aus dem Country-Mekka seien begeistert gewesen. Trotzdem sagt Vollmer: „Es gibt viele Neider, Trittbrettfahrer und Manager, die einen bescheißen. Das haben wir sogar zweimal durch.“

DIE COWBOYS

Ein echter Cowboy steht aber immer wieder auf - auch wenn er in Berlin statt in Tennessee wohnt. Ein Cowboy, sagt Völkel, „lebt selbstbestimmt, liebt die Freiheit und weiß immer, wohin sein Weg ihn führt“. In diesem Fall ganz nach oben in den Charts. Dort stehen The BossHoss nun zum ersten Mal in ihrer Karriere auf Platz eins.

The BossHoss: DosBros (Island/Universal).

Wertung: vier von fünf Sternen

Zu den Personen

Alec Völkel und Sascha Vollmer

Geboren: am 28. Februar 1972 in Berlin (Völkel), am 7. Dezember 1971 in Heidenheim (Vollmer)

Ausbildung: Grafikdesigner

Die Band: Völkel (Gesang, Waschbrett), Vollmer (Gesang, Gitarre), Ansgar Freyberg (Schlagzeug), Malcolm Arison (Mandoline, Banjo), André Neumann (Bass), Stefan Buehler (Gitarre) und Tobias Fischer (Perkussion)

Privates: Völkel und Vollmer leben in Berlin.

Rubriklistenbild: ©  Heine

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