Viele Neuauflagen in den Kinos: Diese Geschichten leben ewig

Damen im Einsatz: Plakat von „Ghostbusters“, das das Logo aus dem 80er-Jahre-Film zitiert.

Kassel. Im Kino sind derzeit besonders viele Neuauflagen bekannter Filmstoffe in Arbeit - „Ghostbusters" dürfte ein Sommerhit werden. Eine Übersicht.

Es gibt nur sechs Muster, denen Geschichten folgen. Das hat das rechnergestützte Geschichtenlabor der Universität Vermont nach Auswertung von 1700 Erzählungen herausgefunden. Die populärsten verlaufen stets ähnlich: aufwärts mit kleiner Delle (Muster Cinderella) oder Fall folgt Höhenflug (Muster Ikarus). Kein Wunder, könnte man schlussfolgern, dass immer wieder dieselben Filme gedreht werden. Vor allem natürlich solche nach dem Motto Junge trifft Mädchen.

Manchmal werden beliebte Stoffe inhaltlich weitergesponnen, aktuell etwa beim „Star Trek“-Stoff, wo das Raumschiff Enterprise in wieder einmal neue Galaxien vordringt. Was im Kino aber noch mehr auffällt: Immer häufiger werden nicht den stets ähnlichen Schicksalskurven von Filmhelden neue Facetten abgerungen. Sondern es werden bekannte Stoffe einfach ganz neu verfilmt. Nun braucht jede Generation ihre eigenen Bilder. Piraten sind heute nur noch in Johnny-Depp-Verrücktheit mit dickem Kajal denkbar, Freibeuter vom Schlag eines Burt-Lancaster-Korsaren sind was für Nostalgienachmittage.

Der Kult wird weiblich

Diesen Sommer und Herbst setzen Filmstudios besonders auf Remakes. Allen voran mit einer Gruselkomödie mit dem Glanz der 80er: „Ghostbusters“. Gingen 1984 Bill Murray und Dan Aykroyd mit ihrem ikonischen Auto auf Geisterjagd, sind es ab 4. August vier Frauen. Zu dieser Tatsache hat sich in den USA ein ziemlicher Aufruhr entwickelt, der darin gipfelte, dass die dunkelhäutige Hauptdarstellerin Leslie Jones rassistisch verunglimpft wurde. An ihrer Seite spielen Melissa McCarthy, Kristen Wiig und Kate McKinnon. Übrigens heute ebenso erfolgreich im TV-Comedygeschäft, wie es damals die männlichen Geisterjäger waren.

Zitate der Popkultur

Auch „Die glorreichen Sieben“ reiten wieder, und das stülpt den Popkulturkosmos ein weiteres Mal um, war doch das Original von 1960 mit Yul Brunner und Steve McQueen bereits der Nachdreh eines Samurai-Abenteuers von Akira Kurosawa. Aus Japan in den Wilden Westen. Jetzt mit Denzel Washington, Chris Pratt und Ethan Hawke.

Für Kinder Weniger Süß

In einigen Fällen wird beim Neudreh die dicke Zuckerkruste des Ursprungsfilm abgekratzt. Damit will man den Coolnessfaktor erhöhen, der Youtube-konditionierte Jugendliche heute mehr anspricht. Wenn Ufa Fiction in diesen Tagen mit einem Neudreh der Internatsgeschichten von „Hanni und Nanni“ beginnt, ist ein realistischerer Blick auf Schülerinnen gewollt. Disney bringt nach 40 Jahren ein Remake von „Elliot, das Schmunzelmonster“ heraus, das in den 70ern tränendrüsig lieb war. In der Neuauflage sieht der Drache nicht mehr reptilartig, sondern eher wie ein felliges Säugetier aus, eine Art Katze-Flughund-Eisbär.

Zeitgemäße Weltsicht

Eine überholte Weltsicht zu korrigieren – auch das kann Motivation für einen Neudreh sein. Zu besichtigen etwa bei „Legend of Tarzan“, der diese Woche in die Kinos kommt. Alexander Skarsgård tritt lianeschwingend in den Bauchmuskel-Wettbewerb mit Rollenvorgängern wie Lex Barker. Aber vor allem wurde es Zeit, Sexismus, Rassismus und Klassendünkel früherer Verfilmungen zu eliminieren.

Den Zauber wieder erleben

Und dann gibt es noch die Filmlegenden, in deren Zauber man einfach mal wieder eintauchen möchte, ganz egal, ob die Geschichte weitergesponnen wird. Das wird mit einem der einflussreichsten Science-Fiction-Abenteuer aller Zeiten möglich werden (zwar erst im kommenden Jahr, der Hype wird aber bereits geschürt): „Blade Runner“. Ridley Scotts Meisterwerk von 1982, bei dem allein die Kulissen und die Handlungskonstruktion so faszinierend waren (wer hat echte Erinnerungen, und wem wurden nur künstliche ins Hirn programmiert?), dass der eigentliche Verlauf der Geschichte fast unwichtig wurde. Harrison Ford spielt unter Regie von Denis Villeneuve wieder den Detektiv Rick Deckard, der bei seiner Jagd nach Replikanten seiner selbst und seiner Menschlichkeit immer unsicherer wird.

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