Diese Ladys morden: Schöner Electropop von Laing

Den Song kennt mittlerweile so ziemlich jeder, das Gefühl sowieso: Mit „Morgens immer müde“ sangen sich Laing zuerst in die Herzen der TV-Zuschauer (mit Platz zwei bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest) und dann in ihre Ohren (Dauerbeschallung per Telekom-Werbung). Jetzt präsentiert das Quartett sein Debütalbum „Paradies Naiv“.

Naiv ist allerdings gar nichts an den Songs. Etwas mehr als eine halbe Stunde gibt es perfekt konstruierten Elektropop mit Soul-Elementen, die Berlinerinnen nennen ihre Mischung „Electric Ladysound“. Schon der Opener „Ding Dong“ hat es in sich: Zu sphärischen Klängen wird hier eine sanft-verträumte Mordfantasie ausgebreitet. „Dein letztes Stündchen hat eben geschlagen“, säuselt Leadsängerin Nicola Rost, während ihre Kolleginnen Atina Tabé und Johanna Marshall im Hintergrund die harmonisierten Glocken geben. Auch sonst haben die Damen einen Sinn fürs Perfide, wenn sie etwa in „Mit Zucker“ mit samtweichen Stimmen übers „Ficken“ singen oder in „Tagesschau“ die Weltgeschichte mit Alltagsbanalitäten abgleichen („In Japan brennt das Kernkraftwerk, und ich krieg meine Tage“). Auch musikalisch sind Laing stilsicher. Die Songs zeichnen sich durch perfekt dosierte Beats und reduzierte Klangschichten aus, alle Akzente sind präzise gesetzt. Es weht ein wenig NDW-Flair durch dieses Album, trotzdem sind die Songs modern. Laing sind keine Epigonen. Ihr sehr erwachsenes Pop-Destillat macht Lust auf mehr, gern würde man mit den Damen die Nächte durchtanzen.

Laing: Paradies Naiv (Island/Universal).
Wertung: 4 von 5 Sternen

Laing spielen am 15. März im Kasseler Schlachthof, Mombachstraße 10-12. Tickets: 0561/203-204.

Von Sabine Metzger

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