Dieser Lohengrin strahlt hell: Jubel in Bayreuth für Klaus Florian Vogt

Hier singt das Spitzenpersonal: (von links) Petra Lang (Ortrud, hinten), Jukka Rasilainen (Graf Telramund), Klaus Florian Vogt (Lohengrin), Annette Dasch (Elsa) und Wilhelm Schwinghammer (König Heinrich). Foto: Nawroth/Bayreuther Festspiele/nh

Bayreuth. Wenn die Bayreuther Festspielleiterin Katharina Wagner am Sonntag den „Lohengrin“ im Festspielhaus erlebt hat (gezeigt hat sie sich nicht), dann wurde ihr schmerzlich der Unterschied zwischen wohlwollendem Beifall und purer Zuschauer-Ekstase vor Augen geführt.

War ihre „Tristan“-Inszenierung tags zuvor immerhin freundlich aufgenommen worden, so versetzte der fünf Jahre alte Neuenfels-„Lohengrin“ bei seiner letzten Wiederholung das Publikum in eine 18-minütige Standing-Ovations-Raserei.

Nicht immer ist das Publikum gerecht - hier war es das. Denn Hans Neuenfels hat mit seinem „Lohengrin“ Geschichte geschrieben. Bei vielen wird er als „Ratten-Lohengrin“ in Erinnerung bleiben, weil das Volk von Brabant vom kongenialen Kostüm- und Bühnenbildner Reinhard von der Thannen in farbige Rattenkostüme gesteckt wurde. Das ist zwar oftmals lustig, wenn die Kostüme mal in den Bühnenhimmel gezogen werden und auf einmal viele Rattenschwänze herunterhängen. Dennoch handelt es sich um keinen bloßen Regiegag, sondern um ein aufschlussreiches Verhaltensexperiment.

Neuenfels’ Inszenierung ist geradezu ein Triumph der „Werkstatt Bayreuth“, in der eine Regiearbeit über Jahre vervollkommnet wird. Und in der auch die Sänger wechseln können. Nach der Premiere mit Jonas Kaufmann übernahm Klaus Florian Vogt die Titelpartie - und füllt sie so aus, als sei sie für ihn geschrieben. So leuchtend und knabenhaft rein singt kein anderer das einleitende „Nun sei bedankt, mein lieber Schwan“, so mühelos überstrahlt niemand sonst den Chor. Im verzweifelten Ringen mit Elsa um die Preisgabe seines Namens („Nie sollst du mich befragen“) ist nicht nur jeder Ton, sondern auch jede Geste stimmig. Allerdings hat er mit der nach einer Pause in die Produktion zurückgekehrten Annette Dasch als Elsa auch eine kongeniale Partnerin, die ihre zunehmende Verzweiflung, ja Hysterie nicht nur Oscar-reif ausagiert, sondern auch stimmlich herüberbringt. Zartheit, ja Zerbrechlichkeit oder triumphale Geste – Dasch ist an dieser Rolle sensationell gewachsen.

Mit solchen Sahne-Sängern – dazu zählen auch die überaus stimmgewaltige Petra Lang als Ortrud und der in jeder Hinsicht überzeugende Wilhelm Schwinghammer als König Heinrich – hat diese Produktion jetzt eine absolute Top-Besetzung.

Und einen Top-Dirigenten, den französischen Bayreuth-Neuling Alain Altinoglu. Er hat von Andris Nelsons übernommen und erzeugt auf Anhieb einen zutiefst aufwühlenden, dabei präzisen Soundtrack – ohne in die Pathosfalle zu tappen. Sogar das innige Brautlied „Treulich geführt“ verströmt hier tänzerische Eleganz.

Vor diesem „Lohengrin“ wird die Neuproduktion 2018 mit Alvis Hermanis (Regie), dem Maler Neo Rauch (Bühnenbild) sowie Christian Thielemann als musikalischem Leiter bestehen müssen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.