Dieser Mann kann nicht schreiben: Das erste Buch von Schauspieler James Franco

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Beliebter Schauspieler: James Franco.

Man müsste mal ein ernstes Wort mit Ed Park sprechen. Das ist der Lektor von Schauspielstar James Franco. Im Abspann seines Buchs „Manifest der anonymen Schauspieler“ dankt er ihm dafür, dass Park immer an das Buch geglaubt habe. Da war Ed Park im Irrtum, beziehungsweise: Er ist der Versuchung erlegen, das Bild vom Multitalent James Franco noch glamouröser auszumalen.

Es ist ja auch zu verführerisch. James Franco scheint mit mehr Begabungen gesegnet als die meisten Menschen. Nicht nur, dass der 36-jährige Kalifornier blendend aussieht. Er machte sich als Darsteller in Filmen wie „Milk“, der „Spider-Man“-Trilogie und „Planet der Affen: Prevolution“ einen Namen. Danny Boyles Abenteuerdrama „127 Hours“ über einen verunglückten Extremsportler trägt er schauspielerisch sogar allein. Dazu tritt er als Maler und Performance-Künstler in Erscheinung.

Nun also das Buch, das der Verlag als „Romandebüt“ ankündigt. „Manifest der anonymen Schauspieler“ ist aber kein Roman, es ist eine Sammlung von Notizen, Szenen, Gedankenfetzen, SMS-Dialogen. Lektor und Verlag haben den unbedingten Willen, das Werk als neuen Beweis für Francos Talentvielfalt vorzuführen. Doch die Wahrheit ist: Das Buch ist misslungen und unausgegoren. Plattitüden und eine unausgegorene Darstellungsstruktur reihen sich an Figurenbeschreibungen, für die man nicht einen Funken Interesse aufbringen kann.

Dabei ist die Grundidee bestechend: die Verbindung zu ziehen zwischen dem Leben als Schauspieler, dem Rollenspiel mit Identitätswechseln, und der Frage, wo und wie wir in unserem Leben generell in andere Rollen schlüpfen, uns unsere Identität(en) erschaffen. Gedanklich und erzählerisch ist dieser Ansatz aber zu wenig durchgeformt.

Franco nutzt als Rahmen die Terminologie der Anonymen Alkoholiker, die in ihren Selbsthilfegruppen ein Stufensystem der Selbsterkenntnis durchlaufen sollen. Wer sich in dieser Begriffswelt nicht auskennt, tut sich aber schwer damit. Es folgen Szenen mit Schauspielschülern und Rumhängern, die sich in L.A. durchschlagen, mit der Drogensucht fertigwerden, Nachtschicht im Fastfood-Laden schieben, Sex haben. Ratgebermäßig daherkommende Banalitäten wie „Sei frei. Sei interessiert. Erschaffe.“ stehen neben unoriginellen Betrachtungen des Filmgeschäfts.

Prätentiös verwischte Figurenidentitäten (ist die Figur, die Franco „James Franco“ nennt, sein Alter Ego?) werden mit pseudoselbstreflektierenden Lebenshilfeerkenntnissen zum Thema Identitätssuche zusammengefügt. Und 100 Seiten vor Schluss rät ein Professor hellsichtig: „James, hör mit dem Schreiben auf. Dir fehlen die nötigen Fähigkeiten.“ Das möchte man rot anstreichen.

James Franco: Manifest der anonymen Schauspieler, Eichborn, 320 S., 16,99 Euro. Wertung: einen von fünf Sternen

Von Bettina Fraschke

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