Der Graf von der Band Unheilig wird als unbekanntester Pop-Star gefeiert

Dieser Mann ist ein Rätsel

Der Graf von der Band Unheilig wird als unbekanntester Pop-Star gefeiert

Es gibt nicht viele Menschen aus der Öffentlichkeit, über die man weniger weiß als über den Grafen.

 Der Glatzkopf ist Sänger der Band Unheilig, mit seiner Single „Geboren um zu leben“ gerade auf Platz drei der deutschen Charts, und auch wenn heute sein Album „Große Freiheit“ erscheint, werden nicht einmal Fans genau wissen, wer sich eigentlich hinter dem Grafen versteckt.

In Fan-Foren im Internet kursieren Dutzende Namen. „Sie stimmen alle nicht“, versichert der Graf, der vor zehn Jahren seine Kunstfigur erfand, um „mein Privatleben und meine Familie zu schützen“, wie er sagt. Nach wie vor verrät er nicht, wie er heißt, wie alt er ist, wo er wohnt, und was er sonst so macht, wenn er nicht auf der Bühne steht. Das dürfte bald schwierig werden.

Schon mit seinen vorangegangenen sechs Alben hat er sich in der Synthie-Rock-Szene eine stattliche Anhängerschaft erspielt. Nun steht er vor dem nächsten Schritt. Manche nennen ihn schon den „unbekanntesten Pop-Star Deutschlands“.

„Große Freiheit“ könnte vielen gefallen, weil Unheilig vielseitig sind. Die Musik muss man sich so vorstellen, als würden die Brachial-Rocker von Rammstein mit Ich + Ich ins Studio gehen und Chansons aufnehmen. Da treffen Breitwand-Gitarren auf Streicher und Kinder-Chöre, und der Graf singt mit seiner gruseligen Stimme große Melodien, die oft an Filmmusik erinnern. Die Kino-Songs von Ennio Morricone hat der Graf schon als Kind auf der Hammond-Orgel im Kinderzimmer nachgespielt. Heute schaut er sich manchmal Filme nur wegen des Soundtracks an: „Die Handlung ist mir völlig rille.“

Seine Texte handeln von Freiheit

Seine Texte handeln auffallend oft von Freiheit. In den 14 neuen Liedern beschwört er die Seefahrt und das Meer, das für ihn Freiheit ausstrahlt. „Unheimlich heimelig“ nennt seine Plattenfirma diese Mischung aus Romantik und Mysterie, die perfekt zu modernen Publikumserfolgen wie „Harry Potter“ und „Twilight“ passt.

Auch mit Unheilig kann man dem Alltag entfliehen. Der Alltag holt aber auch einen wie den Grafen ein. Vor einigen Jahren musste er mitansehen, wie ein Jugendfreund schwerkrank starb. Für ihn schrieb er „An deiner Seite“.

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Wenn er heute Autogramme gibt, erzählen ihm Fans, dass sie das Lied auf Beerdigungen spielen lassen. Manchmal fragen die Pfarrer, von wem die Ballade stamme, und sie schauen dann ein bisschen erschrocken, wenn sie den Namen Unheilig hören. Dabei bezeichnet sich auch der Graf als „total gläubig“. Im vergangenen Jahr verlor er den Glauben an sich selbst. Ein Arzt diagnostizierte eine schlimme Kehlkopfentzündung. Der Graf wusste nicht, ob er jemals wieder würde singen können. Er krempelte sein Leben komplett um, hörte mit dem Rauchen auf, ernährte sich bewusster und geht jetzt regelmäßig Laufen. „Für einen Rockstar bin ich ganz schön langweilig“, sagt er. Aber er ist immer noch voller Rätsel.

Von Matthias Lohr

Unheilig: Große Freiheit (Vertigo / Universal). Wertung: vier von fünf Sternen

Unheilig spielen am 4. September beim „One by One Festival“ auf der Northeimer Waldbühne. Tickets beim HNA-Kartenservice,  0561/203-204  .

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