Die Band Beak und ihre düstere Musik

Dieser Rhythmus macht süchtig

Geoff Barrow kennt man als Arrangeur und Produzent von Portishead, deren 2008er-Album „Third“ Fans und Musikkritiker zu Lobeshymnen hinriss. Zu Recht: Barrow bot auf „Third“ keinen kalten Aufguss alter TripHop-Ideen, hatte weit gehend auf Radiotauglichkeit gepfiffen, war stattdessen seiner erstarkten Krautrock-Leidenschaft nachgegangen und zitierte die elektronischen Psychedelic-Experimente der New Yorker Silver Apples. Beth Gibbons sang dazu wie ein angeschossenes Reh.

Beim repetitiven Krautrock von Can, Neu! und Faust steigen Barrow (am Schlagzeug), der Bassist Billy Fuller und Keyboarder Matt Williams erneut ein. Ihre Band heißt Beak und ist noch kein Jahr alt. Das gleichnamige Debüt ist eben auf Barrows Label Invada Records erschienen. Barrow: „Die gesamte Musik wurde live in einem Raum aufgenommen - ohne Overdubs oder Korrekturen. Alle Songs wurden dabei in einer zwölf Tage währenden Session in den SOA-Studios in Bristol eingespielt. Das war’s.“

War’s das auch mit der leidenschaftlichen Liebe der Portishead-Fans? Möglich, denn leicht zu hören ist dieses eher melodienarme Album tatsächlich nicht. Dafür ist es ein Ausbund an Reduktion, Stil und Stoik. Unbeirrt geht es auf „Beak“ zwölf Tracks lang um eine meist mit Bass und Schlagzeug erzeugte rhythmische Hypnosis, spieltechnisch von allergrößter Einfachheit (nicht Exaktheit), die ungefähr zwei Geschwindigkeitsmodi kennt: kriechend langsam oder rasend schnell. Dazu spinnt das Keyboard allerhand Fäden, zieht Schlieren, fiept schrill oder brummt in jenen dunklen analogen Tönen, wie man sie schon oft aus Synthesizern der Marken Korg und Moog kriechen hörte.

Karg und düster ist sie, diese Kraut-Drone-Psychedelic-Welt. Auf dem Programmzettel der Band stand: Abschaffung des Lichts! Auf lyrisch-pathetische Sprücheklopferei und süßlichen Kitsch wollten sie dabei verzichten. Deshalb wurde der sporadische Gesang - im Grunde ein unverständliches, verhalltes Seufzen - möglichst weit nach hinten gemischt.

Wie gesagt, Inkonsequenz ist das Letzte, was man diesem Album vorwerfen kann. Vermutlich verhält es sich so: Entweder man hasst es. Oder aber man liebt es sehr.

Beak: Beak (Invada / Cargo Records). Wertung: !!!!!

Von Michael Saager

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