Frank Giering war der Schauspieler mit dem melancholischen Blick und starb mit nur 38 Jahren

Dieser Satz wird für immer bleiben

Durchbruch als Killer in Michael Hanekes Thriller „Funny Games“: Schauspieler Frank Giering (1971-2010). Foto: dpa

Anfang des Jahres gab der Schauspieler Frank Giering „Spiegel Online“ ein Interview, bei dem man dachte: Dieser Frank Giering wäre eine interessante Kino-Figur. Er erzählte von seinen Komplexen, weil er sich im Sportunterricht nicht an der Turnstange habe hochziehen können, und dass er sich zu dick fühle, weswegen er aus Liebeskummer 20 Kilo abgenommen habe.

Schauspieler wurde er, weil alle Frauen Schlange stehen würden, wie er dachte. In Wirklichkeit habe ihn aber keine angesprochen.

Internationale Projekte könne er nicht annehmen, weil er kein Englisch spreche. Und aus seinem Kinderzimmer in Magdeburg sei er erst mit 29 ausgezogen, weil seine Mutter eine neue Wohnung gefunden habe, in der kein Platz mehr für ihn war. Es schien, als sei er nicht sehr glücklich.

Am Mittwoch ist Giering in Berlin gestorben. Über die Ursache machte seine Agentur keine Angaben. Seine Eltern hätten gebeten, die Privatsphäre zu respektieren. Ein Selbstmord sei es aber nicht gewesen.

Giering, der zwei Schauspielschulen freiwillig verließ, war der Schauspieler mit dem melancholischen Blick. Vielleicht hat er den Blick nicht nur gespielt. Bekannt wurde er 1997 in Michael Hanekes Thriller „Funny Games“, in dem er einen sadistischen Killer spielte. Das war so eindringlich, dass er einmal in einem Lokal von einer Frau angefallen wurde, die den Film gerade gesehen hatte.

Später spielte er in Kino-Produktionen wie Christopher Roths „Baader“ sowie Hans Steinbichlers „Hierankl“ und auch in vielen TV-Filmen. Glücklicher wurde Giering dadurch wohl nicht: Er flüchtete sich in Alkohol und machte 2001 eine Entziehungskur.

Seit 2006 war er neben Christian Berkel in der ZDF-Reihe „Der Kriminalist“ zu sehen. Die letzten vier Folgen sollte man sich im Herbst anschauen, um die „Dynamik und den selbstironischen Humor“ zu erleben, der Giering laut Reinhold Elschot (ZDF) auszeichnete.

Unbedingt ansehen sollte man sich auch noch mal Sebastian Schippers Drama „Absolute Giganten“. Darin spielte Giering 1999 einen jungen Hamburger, der den letzten Tag mit seinen Kumpels verbringt, bevor er auf eine große Reise geht. Als Floyd sagt er dort: „Es müsste immer Musik da sein, bei allem, was du machst. Und wenn’s so richtig scheiße ist, ist wenigstens noch die Musik da.“ Giering ist nun auf eine Reise gegangen, ohne sich zu verabschieden, aber dieser Satz wird für immer bleiben.

Von Matthias Lohr

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