Die Macher des Free-Flow-Festivals fühlen sich endlich anerkannt

Dieser Strom fließt

Sie sind Strom: Carmen Weidemann (von links), Mario Gruhn, Michael Krywen, Karsten Winnemuth und Tassilo Musch. Es fehlt Jörg Becker. Foto: nh

Kassel. Für die Zuschauer ist es nicht immer ganz einfach mit der Kasseler Band Strom. Einmal, erinnert sich Sängerin Carmen Weidemann, standen die Musiker im K 19 auf der Bühne, sie spielten schon eine Viertelstunde, aber im Publikum fragten sich die Leute: „Wie lang dauert der Soundcheck noch? Wann legen die mal los?“

Losgelegt haben Strom vor neun Jahren, als sie mit Rock, Jazz, Blues und Weltmusik improvisierten. Sie spielen keine Stücke. Bevor sie beginnen, wissen sie nicht einmal, wer den ersten Ton spielt. Sie finden, ihre Musik klinge transidiomatisch, da kein Idiom, also keine Gattung, ausgegrenzt werde. Irgendwann fiel Keyboarder Karsten Winnemuth der Begriff Free Flow ein.

Mittlerweile fließt es bei den Freidenkern von Strom so gut, dass ihr alljährliches Free-Flow-Festival, dessen siebte Auflage an diesem Wochenende in der Kulturfabrik Salzmann stattfindet, eine Institution ist, und sie selbst Preisträger geworden sind: Im Frühjahr haben die Festival-Macher den landesweiten Preis „Bürgerschaftliches Engagement in der Soziokultur“ bekommen, den die Landesarbeitsgemeinschaft der Kulturinitiativen und soziokulturellen Zentren vergibt.

Von den 2500 Euro Preisgeld finanzieren sie nun ihr Festival, bei dem zehn Gruppen auftreten - unter anderem die legendären Soundtüftler von Embryo aus München sowie der aus Göttingen stammende Multi-Instrumentalist Gunter Hampel. Der Fluss ist selten aufzuhalten. Die Konzerte dauern schon mal bis in den frühen Morgen. Am Samstagnachmittag gibt es Workshops und eine offene Bühne sowie einen „Free-Floh-Markt“, bei dem ebenfalls alles verkauft werden darf.

Bei Free Flow, sagt Winnemuth, „springt man in das Unbekannte“. Das Bekannte hatte seine Bandkollegin Weidemann irgendwann satt. Zehn Jahre war sie Mitglied in einer Frauenband, aber „wir haben immer wieder das gleiche gespielt“. Mit Strom begibt sich die 44-Jährige nun jedes Mal auf eine neue Entdeckungsreise, die die Band auch zu Festivals ins Wendland und nach Slowenien führt. Durch den Soziokultur-Preis fühlen sich die Musiker bestätigt: „Endlich sieht mal jemand, was wir machen“, sagt Weidemann, die sich auch als Herausgeberin nordhessischer Literatur einen Namen gemacht hat.

Bei der Ansetzung der Proben können Strom übrigens ebenfalls improvisieren: Drei Bandmitglieder leben in einer WG im Vorderen Westen.

Free-Flow-Festival in der Kulturfabrik Salzmann: Freitag, 18 Uhr, mit Strom, Morle und anderen, Samstag, 18 Uhr, mit Gunter Hampel, Embryo und anderen. Kontakt unter: 0561/572542. www.freeflowfestival.de

Von Matthias Lohr

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