HNA-Kritik

Dieses böse Mädchen ist gut: Der neue Polizeiruf

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Claudia Michelsen als Kommissarin Brasch

Nicht alles war überzeugend im ersten "Polizeiruf" aus Magdeburg, aber Claudia Michelsen als Kommissarin Brasch ist erfrischend anders. Eine Kritik von HNA-Kulturredakteur Matthias Lohr.

Was soll man von Krimis halten, in denen ständig einer fragt: „Wo waren Sie gestern gegen 23.30 Uhr?“ Man möchte diese sinnlose Frage nicht mehr hören. Die Autoren und Brüder Christoph und Friedemann Fromm haben sie den neuen Kommissaren des Magdeburger „Polizeirufs“ gleich mehrfach in den Mund gelegt. Trotzdem war das von Friedemann Fromm als Regisseur verantwortete Debüt „Der verlorene Sohn“ vielversprechend.

Das lag vor allem an Claudia Michelsen, deren Kommissarin Doreen Brasch erfrischend anders ist. Das „böse Mädchen“, wie sich Brasch nennt, schert sich nicht um Vorschriften, rast mit dem Motorrad über Treppen und spricht den Namen ihres Kollegen Jochen Drexler (Sylvester Groth) wie „Dreckskerl“ aus. Als Neonazis, von denen einer auch noch ihr Sohn ist, von ihr gesiezt werden wollen, sagt sie: „Ich würde auch Adolf Hitler duzen.“

Die etwas wirre Geschichte um einen toten Afrikaner und rechte Jugendliche kam ohne Klischees aus. Die Neonazis wurden nicht als besoffene Glatzen gezeigt, sondern als smarte Typen, sie sich sozial engagieren, um Nachwuchs für ihre menschenverachtende Ideologie zu finden. Wer an diesem Sonntag um 20.15 Uhr nicht vor dem Fernseher saß, hat was verpasst.

Von Matthias Lohr

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