Künstlerisches Universaltalent: Der Autor, Regisseur und Produzent Alexander Kluge wird heute 80 Jahre

Dieses Werk hat kaum Parallelen

Auf vielen Feldern zu Hause: Alexander Kluge. Foto: dpa

Für Menschen sind Lebensläufe die Behausung, wenn draußen Krise herrscht. Alle Lebensläufe gemeinsam bilden eine unsichtbare Schrift. Nie leben sie allein. Sie existieren in Gruppen, Generationen. Staaten, Netzen. Sie lieben Umwege und Auswege“, heißt es im pünktlich zum heutigen 80. Geburtstag des künstlerischen Universaltalents Alexander Kluge erschienenen opulenten „Das fünfte Buch“ – die Fortschreibung seiner umfangreichen Kompendien-Reihe, die vor zwölf Jahren mit dem assoziativen Mammut-Epos „Chronik der Gefühle“ begonnen hatte.

„Ich glaube nicht an Hochkunst. Sondern an eine relativ triviale Art des Erzählens“, erklärte Kluge in einem Interview. Das klingt stark nach Understatement, denn der Büchner-Preisträger 2003 erzählt alles andere als „trivial“.

Seine assoziative Prosa, seine Sammlungen bisweilen aphoristisch zugespitzter Gedankensplitter kommen wie ein freischwebendes, gigantisches Oeuvre daher. Literarische und methodische Parallelen sind im deutschen Sprachraum selten. Die Umtriebigkeit des intellektuellen Multi-Talents, der am 14. Februar 1932 in Halberstadt geboren wurde, ist bewundernswert. Kluge stellt stets höchste Ansprüche. Er liefert weder festgefügte Weltbilder noch griffige Storys, sondern versucht, Erfahrungen zu vermitteln, aus einem assoziativen Bildermeer und Fakten Zusammenhänge zu konstruieren.

Als Schriftsteller („Lebensläufe“), Filmregisseur („Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos“), Filmtheoretiker, Leiter der Produktionsfirma „Kairos-Film“, scharfsinniger Essayist, Dozent, TV-Moderator und Fernsehproduzent sammelte der promovierte Jurist und Adorno-Schüler Meriten. Dabei schwamm er nie auf den Wogen des Zeitgeistes mit, sondern ruderte kraftvoll gegen den Strom und gab viele neue kulturelle Impulse. Im kommerziellen Privatfernseh-Umfeld produzierte der Wegbereiter des Autorenfilms als Mitgründer der „DCTP“ anspruchsvolle Kulturmagazine („10 vor 11“, „MitternachtsMagazin“, „Primetime“). Vor vier Wochen hielt er die Laudatio auf Karl-Valentin-Preisträger Helge Schneider. Auch das ist Kluge.  Hintergrund

Alexander Kluge: Das fünfte Buch. Neue Lebensläufe. Suhrkamp, 561 S., 34,95 Euro.

Von Peter Mohr

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