Fäkalsprache und Kraftpose: Kool Savas mimte den bösen Rapper – 900 Fans sahen zu

Dirigent der Massen

Kool Savas sagt an, die Menge folgt: Der Rapper verstand es in den Nachthallen, sein Publikum in die Hysterie zu führen. Fotos: Ludwig

Kassel. Das Vulgäre ist sein Terrain, der Böse sein Image und der Bass seine Gewalt: Rapper Kool Savas (35) hatte seine knapp 900 Fans im Griff, die sich am Dienstag seinen Tourauftritt zum neuen Album „John Bello Story 3“ in den Nachthallen nicht entgehen ließen. Nach gut 90 Minuten war klar, dass Savas Massenhysterie dirigieren kann – und das der überzeugte Vegetarier aus Berlin längst nicht so böse ist, wie er immer tut.

Das Erfolgsrezept des als Savas Yurderi geborenen Rappers ist so simpel wie wirksam. Der Sohn türkischer Einwanderer lässt die Menge mit massiven Bässen massieren, spart nicht mit provokanten Auswürfen - unter anderem zum Sexualleben von Jörg Kachelmann - und fordert die 900 vor der Bühne immer wieder zum ultimativen Ausrasten auf.

Das klingt dann etwa so: „Los, nehmt diesen Drecksschuppen hier auseinander!“. Als die Fans zwar nicht damit beginnen, die Einrichtung zu demolieren, aber immerhin johlend die Arme in die Luft strecken, legt Savas provokant nach: „Also in Freiburg letzte Woche ging’s mehr ab!“ Die Druckverhältnisse und das Aggressionspotenzial in der zusammengepresst stehenden Menge steigen, und die Ordner an der Bühnenabsperrung schauen besorgt. Jetzt lächelt Savas zufrieden.

Der Berliner, der vergangenes Jahr von der HipHop-Zeitschrift „Juice“ zum „besten deutschen MC“ gewählt wurde, weiß, was er tut. Er kokettiert erfolgreich mit dem Gangster-Image – viel mehr als einen Führerscheinentzug, mit dem er in den Nachthallen prahlt, hat seine Biografie an Gesetzlosigkeiten aber nicht zu bieten. Dennoch erreicht er in dieser Rolle ein zunehmend größeres und jüngeres Publikum. Bei seiner Suche nach dem jüngsten Fan in der Halle streckten mehrere 14-Jährige ihre Finger in die Höhe.

Musikalisch deckt Savas an diesem Abend gemeinsam mit DJ Sir Jai und weiteren Gast-MCs sein Gesamtwerk ab: Ältere Stücke wie „Der beste Tag meines Lebens“ waren ebenso zu hören wie seine neueste Techno-Bass-Orgie „Techno Pilot“. Nur hin und wieder, wie für „Myspace“ - eine schräge HipHop-Ballade über Liebe im Internetzeitalter -, wurde der Beschuss mit Bässen und Beats nach unten reguliert.

Für seinen nächsten Besuch in Kassel wünscht sich Savas, der jeden seiner Sätze mit „Alter“ einleitet, eine Sightseeing-Tour. Wohin? Na klar: Zu den Drogenumschlagplätzen.

Von Bastian Ludwig

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