Das Spohr-Museum vergleicht in einer Ausstellung „Pultmagier und Taschenspieler“

Dirigieren und zaubern

Hier werden Taktstock und Zauberstab eins: „Franz Liszt hilft Richard Wagner mit dem Taktstock ins Leben“ ist die Karikatur von Georges Villa aus dem Jahr 1911 betitelt. 2 Fotos: Fritsch

Kassel. Könnten heutige Kinder sehen, wie Louis Spohr vor 150 Jahren dirigierte, dann würden sie ihn vermutlich für eine Gestalt aus einem Harry-Potter-Roman halten. Sein Dirigierstock ähnelte nämlich weit mehr dem Zauberstab eines Magiers als den heutigen Dirigentenstäben. Aber verstehen sich Dirigenten nicht oftmals als eine Art Magier, die ein Orchester nicht nur leiten, sondern ihm mit magischer Energie Wundersames entlocken?

Das Spohr-Museum im Südflügel des Kulturbahnhofs hat aus dem Zusammenspiel von Dirigieren und Zaubern eine ebenso witzige wie lehrreiche Ausstellung gemacht: „Pultmagier und Taschenspieler - Taktstock und Zauberstab früher und heute“.

Die Geschichte des Taktstocks fängt dabei noch früher an. In Frankreich war schon im Barock ein langer Stab üblich, mit dem man den Takt laut auf den Boden klopfte. Angeblich hat sich der Komponist Jean-Baptiste Lully (1632-1687) mit dem Taktstock so in den Fuß gestochen, dass er an der Verletzung starb. Damals ähnelte der Taktstock dem Zauberstab aus dem Herrn der Ringe.

Dass Louis Spohr einer der ersten Dirigenten war, die mit dem kleinen Taktstock dirigierten, ist bekannt. Schöne Beispiele zeigt die Ausstellung: Taktstöcke, die zwei Enden aus Elfenbein aufweisen. Und als kostbare Leihgaben sind auch Taktstöcke von Hector Berlioz und Max Reger zu sehen. Letzterem sieht man schon die heute gebräuchliche schmale und lang gezogene Form an.

Doch die Ausstellung zeigt auch die Zauberstäbe berühmter Magier des 19, Jahrhunderts, und die kann man tatsächlich kaum von den frühen Taktstöcken unterscheiden. Übrigens können Harry-Potter-Fans auch dessen Zauberstab als Merchandising-Produkt aus Plastik bewundern. Zaubern kann man damit nicht. Dafür lädt die Dirigierstation zum Dirigieren eines virtuellen Orchesters ein.

Bis 7. April 2013 im Südflügel des Kulturbahnhofs. Sa bis Mo 10-16 Uhr, Di bis Fr nach Vereinbarung: 05 61 / 766 25 28.

Von Werner Fritsch

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