Neues Programm „Schmerzfrei“

Discofox mit DJ Butzekatze: Atze Schröder in der Eissporthalle

Bodenständig und süchtigmachend witzig: Atze Schröder beim Auftritt in Kassel. Foto:  Fischer

Kassel. Der kluge Mann beugt vor. Dem Vorwurf der Niveaulosigkeit seiner Programme widmete Atze Schröder bei seinem Gastspiel in der gut gefüllten Kasseler Eissporthalle am Freitag gleich mehrere Beiträge.

Und stellte sich so einen Blankoscheck für eloquentes Comedy-Theater aus. Nach dem Motto: Das Leben ist zu kurz für ein langes Gesicht.

Entweder er ballerte mit lustigen Testosteron-Episoden auf das private Sexidyll oder er enttarnte Kindererziehung als intellektuell überladenes Planungsverfahren. Themen, die schon mehrere Schleifen in der Comedyszene gedreht haben. Doch wenn sich Atze Schröder ihrer annimmt, bleibt kein Auge trocken. Er vereint Selbstironie, Machogehabe und Fürsorglichkeit. Er betankt seine Geschichten mit derb-humoristischen Wortverknüpfungen („Lady Tofu“, „Puddinglude“, „mumifizierte Rheumadeckenbesatzung“) und jagt damit temporeich durch ein Programm, das mit dem Titel „Schmerzfrei“ treffend beschrieben ist.

Wenn einem islamischen Selbstmordattentäter nach seiner Tat 72 Jungfrauen versprochen werden, sollte das doch kein Anreiz sein. Denn bei beidem, der Tat und der Entjungferung, handele es sich um ein Blutbad. Englischer Humor oder Geschmacklosigkeit? Das ist schon starker Tobak.

„Wenn eure hässliche Eissporthalle abbrennt, helfe ich nicht beim Löschen.“ Der Wellblechtempel war öfter Zielscheibe seines Humors, und die Besucher ließen erkennen, dass man sich nach einer neuen Halle sehnt.

Sein Meisterstück lieferte Atze Schröder mit dem Bericht über seine Reise nach Ghana. Nach zwei Tagen und acht Stopps war er in Accra gelandet und hat in einem Dorf bei Musik von DJ Butzekatze zwischen tanzwütigen Afrikanern den Discofox ausgepackt – zum Ausschütten komisch. Den Waldorfkindergarten und das Gladiatorenrennen zwischen Porschefahrer Schröder und einem Ferrari-„Ersatzteillager“ auf der A49 kannte man schon aus älteren Programmen. Es war ein typisches Atze-Event. Stilistisch variiert er nur in Nuancen, inhaltlich bleibt er bodenständig. Der Lockenkopf macht einfach süchtig. Großer Applaus.

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