Disney's Märchenland: „Die fantastische Welt von Oz“

Unkomfortable Situation: Affe Finley, das Porzellanmädchen und Oz (James Franco) im Sumpf.

Disney schwingt den Zauberstab. Mit dem Filmabenteuer „Die fantastische Welt von Oz“, das nächste Woche in 3D in die deutschen Kinos kommt, will der Unterhaltungsgigant filmisch zeigen, was auf der Leinwand heute beim Erschaffen magischer Welten möglich ist.

Die Geschichte von einem Provinzzauberer, der von einem heruntergekommenen Zirkus in Kansas unversehens in das Märchenland Oz katapultiert und dort für einen mächtigen Magier gehalten wird, steht für eine Verfilmung der Superlative.

Mit dem 200-Millionen-Dollar-Projekt für die ganze Familie möchte Disney an einen legendären Filmerfolg der MGM-Studios von vor fast 80 Jahren anknüpfen: „Der Zauberer von Oz“ mit der blutjungen Judy Garland ist längst ein moderner Mythos und hat in Sachen Filmtechnik ebenfalls Maßstäbe gesetzt.

Nun wird die Vorgeschichte zum damaligen Stoff erzählt: Wie der Zauberer von Oz zu jenem wurde. Vorlage sind die 14 Oz-Romane des Jugendschriftstellers L. Frank Baum, die um 1910 entstanden. Baum ist im Film auch bildlich verewigt: Alle 5000 Münzen des Goldschatzes sind mit seinem Konterfei versehen.

Überhaupt wurde viel gebaut. Die Märchenwelt entstand nicht nur am Computer, sondern auch real in sieben großen Hallen eines Filmstudios in Pontiac im US-Bundesstaat Michigan. 30 detailreiche Filmsets entwickelte „Avatar“-Designer Robert Stromberg - vom Thronsaal über Zauberwald bis Smaragdstadt.

Geheimnisvoll: Die böse Hexe

1500 Darsteller bekamen Kostüme, darunter drei Dutzend Kleinwüchsige, die das Volk der Munchkins spielen, und vier Dutzend Zwei-Meter-Männer, die als Volk der Winkies zu sehen sind. Eine besondere Animations-Herausforderung stellten die Wesen aus Porzellan dar, die in einem Porzellanladen leben. Hier wurden erstmals Bewegungen einer Marionette auf eine Computerfigur übertragen.

Regie führt Sam Raimi, der mit der „Spiderman“-Trilogie berühmt geworden ist. Für die Hauptrolle lernte James Franco sogar selbst zaubern. Er spielt Oscar Diggs, genannt Oz.

Die Figuren

Oscar Diggs (James Franco) ist der Provinzmagier aus Kansas, der zum Zauberer von Oz wird.

Theodora (Mila Kunis) ist eine ebenso schöne wie naive Hexe.

Evanora (Rachel Weisz): furchterregende Schwester von Theodora, Herrin der Smaragdstadt.

Glinda (Michelle Williams) ist die gutmütige Herrscherin. Sie erkennt als Erste, dass Oz nicht der ist, der er zu sein vorgibt.

Finley: Der geflügelte Affe wird mit dem Porzellanmädchen zum Reisebegleiter von Oz.

Ein Traum in Technicolor

Warum der Film "Der Zauberer von Oz" aus dem Jahr 1939 zur Legende wurde

Kansas. Für Amerikaner ist mit diesem Begriff nie nur der Bundesstaat im mittleren Westen gemeint. Das Wort steht vielmehr auch für Heimat, das Vertraute und ein wenig Langweilige. Das liegt an einem Film, der die amerikanische Populärkultur prägt wie kein zweiter: "Der Zauberer von Oz" aus dem Jahr 1939, in dem die Hauptfigur Dorothy genau dort herkommt. Auf diesen Film aus den MGM-Studios bezieht sich Disneys aktueller Oz-Film. Und natürlich stammt auch der neue Zauberer nirgendwo anders her als Kansas.

? Worum geht es im alten Oz-Film?

! Dorothy lebt bei Onkel und Tante auf einer Farm in Kansas und ist ziemlich einsam. Mit einem Tornado wird sie in ein geheimnisvolles Märchenland katapultiert. Dort gerät sie in einen Konflikt zwischen Hexen und muss den Zauberer von Oz aufsuchen, denn angeblich kann nur der sie zurückbringen. Er ist aber ein Hochstapler. Dorothy lernt, dass ihr eigener Wille und der Zauberspruch "There is no Place like Home" (Kein Ort ist wie zuhause) sie zurückbringen. Schließlich tauscht sie die aufregende Ferne wieder gegen das biedere Kansas.

? Warum hat der Film derartig Furore gemacht?

! Was "Die fantastische Welt von Oz" heute, war der "Zauberer" damals: Ein ungeheuer aufwändiges Spektakel. Der Film wechselt mittendrin seine Farbe: Die Kansas-Welt ist sepia-blass, kommt Dorothy nach Oz, ist alles technicolor-bunt. Damals ein riesiger technischer Aufwand.

? Und jenseits der Aufsehen erregenden Optik?

! Der Musicalfilm brachte für die 17-jährige Hauptdarstellerin Judy Garland den Durchbruch und für ihr Lied "Over The Rainbow" einen Oscar.

? Was wurde aus dem Regenbogen-Symbol?

! Dass die Schwulenbewegung es verwendet, ist unter anderem auf den Film zurückzuführen. Der Regenbogen drückt die Sehnsucht nach einer Welt aus, wo jeder leben kann, wie es ihm entspricht.

? Wo kann man den Einfluss des Ur-Oz außerdem sehen?

! "Dies ist nicht mehr Kansas": Allein dieses Filmzitat von Dorothy, als sie merkt, dass sie in einer anderen Welt gelandet ist, wurde in über 50 Filmen zitiert, ist längst kulturelles Allgemeingut. Dorothys rote Schuhe sind Museumsexponate, Storys um die Hexen und den Zauberer aus Oz kommen in vielen weiteren Filmen vor. 2007 nahm die Unesco den Film sogar ins Weltdokumentenerbe auf.

Von Bettina Fraschke

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