Neu im Kino „Nanga Parbat“ erzählt packend von Reinhold Messners größtem Drama

Das ist doch der Gipfel

Überlebenskampf in der Todeszone: Florian Stetter als Reinhold Messner (links) und Andreas Tobias als Günther Messner. Foto: Senator

Reinhold Messner ist noch ein Student, als sich sein Bruder Günther gewaltig irrt. „Um berühmt zu werden als Bergsteiger, musst du erst einmal sterben“, sagt er, nachdem sich beide mit Erstbesteigungen in den Dolomiten einen Namen gemacht haben und Reinhold begann, vom Profi-Bergsteigen und vom Himalaya zu träumen.

So erzählt es Regisseur Joseph Vilsmaier in seinem packenden Bergdrama „Nanga Parbat“, in dem die Brüder aus Südtirol als Erste den neunthöchsten Gipfel der Erde über die bis dahin noch unbestiegene Rupalwand erklimmen. Auf dem Rückweg vom 8125 Meter hohen Gipfel kommt Günther (Andreas Tobias) ums Leben, der zuvor seinem zwei Jahre älteren Bruder (Florian Stetter) eigenmächtig gefolgt war, ohne die Abstiegsroute zu sichern - ein noch gewaltigerer Irrtum. Der 27. Juni 1970 ist Reinhold Messners erster großer Sieg. Er wird berühmt, ohne gestorben zu sein. Es ist aber auch seine größte Niederlage, weil er seinen Bruder verliert. Der Mutter, die alles kommen sah, hatte er versprochen, ihn heil nachhause zu bringen.

Es ist nicht nur Reinhold Messners Geschichte, die Vilsmaier erzählt, sondern Reinhold Messners Version der Geschichte. 2001 hatte der bekannteste Bergsteiger der Welt den anderen Expeditionsteilnehmern vorgeworfen, ihm und seinem Bruder nicht zur Hilfe gekommen zu sein. Umgekehrt stellten die Rivalen ihn als egoistischen Ehrgeizling dar, der schon vorher den Abstieg über die Diamir-Seite geplant habe, was damals als unmöglich galt. Es ist ein Drama, wie man es sich größer nicht vorstellen kann und das beginnt, als die Messners noch Kinder sind, die Friedhofsmauer hochkraxeln und vom Pfarrer (Matthias Habich) ermahnt werden. Sie sollen an die Toten in den Gräbern denken und an die Lebenden, die wegen ihnen trauern werden, wenn sie in den Tod gestürzt sind.

Die stärksten Szenen neben dem Überlebenskampf in der Todeszone hat der Film, wenn er sich auf den Konflikt zwischen Reinhold und dem Expeditionsleiter Dr. Karl Maria Herrligkoffer konzentriert. Der Österreicher Karl Markovics („Die Fälscher“) spielt den Münchner Arzt, der stets im Basislager blieb, in all seiner Verbissenheit. Für Herrligkoffer ist der Star die Mannschaft und damit er selbst, während Reinhold Messner sich als Künstler sieht. Auf die Frage des Verlegers und Finanziers Franz Burda, warum er das Todesrisiko wage, fragt Messner: „Warum malt ein Maler?“

Die Szene, in der Günther von einer Eislawine erfasst wird, ist nicht belegt. Die letzte Wahrheit über seinen Tod kennt niemand, nicht einmal der Nanga Parbat. Berge, sagt Reinhold Messner am Ende, sind „nur eine geologische Formation. Die Gefühle tragen wir selbst zu den Bergen.“

Genre: Bergdrama

Altersfreigabe: ab sechs

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Matthias Lohr

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