Das ist doch der Gipfel: Der Graf hört mit Unheilig auf

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Höher geht es nicht hinauf: Der Graf von der Pop-Band Unheilig im österreichischen Kaprun.

Für seine Fans war es ein Schock, als der Graf im Oktober das Ende seiner Gothic-Pop-Band Unheilig ankündigte. Nun ist die Abschieds-CD erschienen. Der Graf geht, wenn es am schönsten ist.

Schon vor fünf Jahren hat der Graf darüber nachgedacht, mit seiner Band Unheilig aufzuhören. Sein Gothic-Pop-Rock war in der Szene bekannt, aber zum Leben reichte es nicht. Der Musiker war schon über 30. „Wenn du dann noch darauf angewiesen bist, von deinen Eltern monatlich Geld zu kriegen, ohne für die Zukunft planen zu können, ist das nicht sehr angenehm“, sagte er unserer Zeitung.

Nun macht er tatsächlich Schluss - aber nicht, weil er zu wenig Erfolg hat, sondern zu viel. 2010 schafften Unheilig mit dem Hit „Geboren um zu leben“ den Durchbruch. Für das dazugehörige Album „Große Freiheit“, von dem 1,7 Millionen Einheiten verkauft wurden, gab es sieben Mal Platin.

Der Musiker, der sich hinter der Kunstfigur des Grafen versteckt, um sein Privatleben und seine Familie zu schützen, tourte, trat in TV-Shows auf und gab Interviews. Nur für die Menschen, die ihm wichtig waren, hatte er keine Zeit mehr. „Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen meiner Verwandten besuchen konnte“, sagt er.

„Ich will gehen, wenn es am schönsten ist.“ 

Im Oktober kündigte er auf seiner Webseite seinen Rücktritt an. Nun erscheint das letzte Album „Gipfelstürmer“, und im April beginnt die Abschiedstour, die bis zum 10. September 2016 dauern soll. Im neuen Hit heißt es: „Es ist Zeit zu gehen. Wir danken euch für all die Jahre. Auch wenn es wehtut, ist es Zeit für uns zu gehen, wenn es am schönsten ist.“ Wer mag da widersprechen?

Der Graf hat das Gefühl, den perfekten Song geschrieben zu haben. Der klingt auch auf dem achten Studioalbum nach einer Mischung aus Gothic-Pop und Schlager. Unheilig haben seit jeher einen Hang zum Pathos und keine Angst vor Kitsch. Statt vom Synthesizer kommt der Bombast auf „Gipfelstürmer“ von einem echten Orchester. Größer können Unheilig nicht mehr werden. Sie stehen auf dem Gipfel.

Auch in den Texten, die jedes Poesiealbum schmücken würden, scheint alles gesagt zu sein. Erneut geht es oft um den Tod und das Abschiednehmen. „Zwischen Licht und Schatten“ handelt von einem guten Freund, der verunglückt ist. Schon „Geboren um zu leben“ führte zwischenzeitlich die Charts der beliebtesten Begräbnis-Songs an.

Kritiker haben sich oft lustig gemacht über Unheilig, aber es gibt wenige Künstler, die so gut praktische Lebenshilfe geleistet haben. Selbst der Graf profitierte davon. Als Kind wurde der Stotterer gehänselt: „Wenn es nach meinen Schullehrern gegangen wäre, dann hätte ich niemals vor anderen Menschen auftreten dürfen.“ Erst die Musik und der Erfolg gaben ihm Selbstvertrauen.

Die Karriere des Grafen ist ein schönes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, gegen Vorurteile anzukämpfen. Ein anderes Vorurteil lautet, dass Stars nach einem Rücktritt irgendwann doch zurückkehren. Ihre Sucht nach Aufmerksamkeit ist zu groß. Der Graf beteuert jedoch: „Einen Rücktritt vom Rücktritt schließe ich zu 100 Prozent aus.“

Unheilig: Gipfelstürmer (Vertigo/Universal).

Wertung: drei von fünf Sternen

Unheilig spielen am 18. Februar 2015 in der Göttinger Lokhalle. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

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