documenta-Archiv: Der Chef ist schon weg

Hat bereits als Leiter des documenta-Archivs aufgehört: Dr. Gerd Mörsch. Foto: von Busse

Kassel. Leiter Dr. Gerd Mörsch hat das documenta-Archiv verlassen, seine Stelle wird ausgeschrieben. Das hat die Stadt Kassel bekanntgegeben.

Dr. Gerd Mörsch ist nicht mehr Leiter des documenta-Archivs. Der 40 Jahre alte Kunsthistoriker werde „aufgrund des Übergangs des Archivs von der Stadt Kassel auf die documenta GmbH zum Ende des Jahres aus dem Dienst der Stadt Kassel ausscheiden und sich beruflich neu orientieren“, teilte die städtische Pressestelle mit.

Die Leitungsposition werde in Kürze ausgeschrieben. Die weiteren Mitarbeiter setzen zum 1. Januar unter dem organisatorischen Dach der documenta ihre Tätigkeit für das Archiv fort (siehe Hintergrund).

Zum 31. Dezember sei mit Mörsch ein Auflösungsvertrag geschlossen worden. Der damals freie Autor und Kurator hatte im September 2013 einen auf vier Jahre befristeten Vertrag in Kassel angetreten, wo er bereits während der documenta 13 als kuratorischer Assistent tätig gewesen war. Oberbürgermeister Bertram Hilgen dankte laut Pressemitteilung Mörsch für seine Arbeit, mit der er neue Akzente gesetzt habe. Weitere Statements wollte die Stadt nicht abgeben.

In den zwei Jahren seiner Leitung hatte Mörsch - der persönlich nicht zu erreichen war - das Zeitzeugen-Projekt „Meine documenta“ angestoßen, die Präsenz im Internet erweitert und den Nachlass des Plakatkünstlers Hans Hillmann gewonnen. Er holte den früheren Ästhetik-Professor Bazon Brock zum Vortrag und die Performance-Künstler Alexandra Pirici und Manuel Pelmus zum documenta-Jubiläumsfest.

Vor einem Jahr konnte Mörsch den Hessischen Archivpreis für das Archiv entgegennehmen, das er regelmäßig für Führungen öffnete.

Das documenta forum bedauert Mörschs Ausscheiden, mit dem sich eine produktive Zusammenarbeit entwickelt habe. „Obwohl Dr. Mörsch zeitweise mit widrigen personellen, materiellen und räumlichen Verhältnissen fertig zu werden hatte, gelang es ihm, dem Archiv neue Impulse zu geben“, sagte der Vorsitzende Dirk Schwarze. Mörsch habe sich darum bemüht, das Archiv noch stärker in den Dienst der Öffentlichkeit zu stellen: „Allerdings blieb ihm angesichts seiner Aktivitäten nicht die Zeit, sich um die strategische Planung zum Ausbau des Archivs zu einem documenta-Institut zu kümmern.“

Nun gebe es großen Freiraum zur Umgestaltung. Es sei zu hoffen, dass die Weichen tatsächlich zum documenta-Institut gestellt werden.

Hintergrund:

Zum 1. Januar wird das documenta-Archiv, das bisher allein von der Stadt Kassel finanziert wurde, der documenta und Museum Fridericianum GmbH zugeordnet, die von der Stadt und dem Land Hessen jeweils zur Hälfte getragen wird. Damit verdoppelt sich der Etat des Archivs von 500.000 auf eine Million Euro. Der entsprechende Vertrag war zum 60. documenta-Jubiläum im Juli unterzeichnet worden.

Mehr zum documenta Archiv finden Sie im Regiowiki.

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