documenta-Archivleiterin Karin Stengel wirbt weltweit

Karin Stengel

Kassel. Karin Stengel hat das schöne Gefühl, zum Ende ihrer Dienstzeit eine Art Ernte einzufahren. Mitte April wird die Leiterin des documenta-Archivs in die Altersteilzeit verabschiedet.

In den Wochen zuvor eröffnen sich für das Archiv neue Perspektiven, wird es weltweit in seiner Vorbildfunktion anerkannt, ergeben sich neue Möglichkeiten des Austauschs.

Eine Reihe von Einladungen belegt das. Beispiel eins: Tokio. Dort hat Stengel gerade bei einer Tagung des Art & Society Research Center über den Aufbau des Kasseler Archivs berichtet. Hintergrund ist, dass Archive in Japan bislang diskreter und zurückhaltender mit Quellen sind. Die Idee, Archivmaterial spannend aufzubereiten, damit Gegenwartsbezüge herzustellen, ist dort eher fremd. Die Japaner waren also auch an praktischen, technischen Fragen von zugänglichen Datenbanken interessiert.

Beispiel zwei: New York. Dort hat im Goethe-Institut der zweifache documenta-Teilnehmer Christian Philipp Müller - Rektor der Kasseler Kunsthochschule - die Ausstellung „Elective Affinities“ (betitelt nach Goethes „Wahlverwandtschaften“) eingerichtet - mit Material aus dem documenta-Archiv: Herzstück sind zwei Wanderstöcke aus Metall und Kupfer, die Joseph Beuys dem documenta-Gründer Arnold Bode zum 75. Geburtstag geschenkt hat, ergänzt durch Briefe und Fotos, die den Entstehungsprozess von Werken US-amerikanischer Künstler auf der d5 im Jahr 1972 und auf der d6 (1977) dokumentieren. Das Interesse von New Yorker Studierenden sei riesig, sagt Stengel: „Die documenta ist ein Zauberwort.“

Rektor Müller wisse um die Bedeutung des Archivs, er arbeitet auch künstlerisch mit Archivmaterial. Stengel ist glücklich über diesen guten Draht zur Kunsthochschule. Eine Folge: Die Universität will eine zweijährige Gastprofessur zur documenta-Geschichte einrichten.

Bei einem öffentlichen Podiumsgespräch im Goethe-Institut in New York traf Karin Stengel auf Glenn Philipps, der beim Getty Research Institute den Nachlass von documenta-Leiter Harald Szeemann betreut, um dessen Ankauf sich Kassel vergeblich bemüht hatte. Zehn Mitarbeiter werden künftig in Los Angeles mit der Aufarbeitung des Szeemann-Archivs beschäftigt sein. Zurzeit werden dort bereits eifrig Fotos eingescannt. „Auch da kommt etwas in Bewegung", freut sich Stengel, „wir denken jetzt ganz konkret an eine Zusammenarbeit."

Beispiel drei: Münster. Dort veranstaltet das LWL-Landesmuseum nächste Woche eine Tagung darüber, wie die seit 1977 alle zehn Jahre stattfindende Ausstellung Skulptur Projekte mit ihrer Geschichte verfahren soll. Stengel kann wertvolle Tipps geben - das Archiv der documenta reicht immerhin bis 1961 zurück, hat also einigen Vorsprung.

Beispiel vier: Eine Tagung in der Kölner Kunsthochschule für Medien im November. Dort muss dann Stengels Nachfolger ran. Der werde, so hofft sie, die bestehenden Vernetzungen „unbedingt pflegen“.

Von Mark-Christian von Busse

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