„Im tiefen Tal der Todeskralle“ blickt ab Donnerstag satirisch auf die Kunstschau

documenta als Bühnenstück

Patrick Schlösser

Kassel. Ein halbes Jahr hat der Kunsthistoriker, Kurator und Künstler Boris von Brauchitsch (50) in Kassel recherchiert, ist in die Tiefen des documenta-Archivs gestiegen und hat sich mit der Geschichte und der Bedeutung der Weltkunstausstellung beschäftigt. Dann hat er seinen Stoff in einem Bühnenstück verarbeitet, das am Donnerstag im Theater im Fridericianum (tif), also im Untergeschoss des klassischen documenta-Ortes, uraufgeführt wird.

Regisseur Patrick Schlösser und Dramaturgin Stephanie Winter haben Brauchitschs ursprüngliche Sechs-Stunden-Fassung auf zwei Stunden eingedampft. Gemeinsam hat man nach einem Titel gesucht, der weniger die Assoziation eines gelehrten Vortrags weckt, sondern mehr an einen Theaterspaß denken lässt: „Im tiefen Tal der Todeskralle“ heißt der documenta-Abend nun in Anlehnung an Klassiker des Trash-Kinos.

Schlösser verspricht einen witzigen Ritt durch die Geschichte der documenta, der mal Farce, mal Thriller und mal Science-Fiction ist, und der sowohl mit Gags aufwartet als auch Wissenswertes aus fast 60 Jahren documenta-Geschichte vermittelt. „Wir gehen stets augenzwinkernd an das Thema heran, das soll kein dröger Bildungsabend werden“, sagt der Oberspielleiter. Das Stück spielt vor der documenta 2027, als das Zwillingspaar Natalia und Ben Grimmberger die documenta kuratiert und Überlegungen anstellt, ob die Ausstellung auch ohne Künstler auskommen kann.

Ihre Gegenüber sind die schrullige Tutti Schnorr, die die Medienmacht schlechthin verkörpert, und documenta-Fossil und Marketing-Experte Linus Gollinger, der überlegt, einen Hund als documenta-Symbol einzuführen. Doch dann kommt alles anders.

Von Brauchitsch hatte 2012 fürs Staatstheater den satirischen Kunstkongress „documentale 14“ ausgerichtet.

Premiere morgen, 20.15 Uhr, im tif, nächste Aufführungen am 24. und 29.5., Karten: 0561-1094-222.

Von Bettina Fraschke

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