documenta 14: Eine große Aufgabe wartet

Gründer, Motor, Ideengeber: Arnold Bode (1900-77, d1 bis 4) gelang es glänzend, Kunst neuartig zu inszenieren.

Am Freitag um 14 Uhr wird bekannt gegeben, wer die documenta 14 im Jahr 2017 leiten wird. Auf www.kassel-live.de informieren wir über die Pressekonferenz, zu der 60 Medienvertreter erwartet werden. Wir skizzieren, was von der neuen künstlerischen Leitung erwartet wird.

Einmal waren alle beieinander. Carolyn Christov-Bakargiev hatte ihre noch lebenden Vorgänger 2009 zu einer Tagung über die Geschichte der documenta ins Museum für Gegenwartskunst Castello di Rivoli bei Turin eingeladen. Versammelt war eine geballte Ladung documenta-Insiderwissen. Vieles hätten die documenta-Leiter von Manfred Schneckenburger bis zu „CCB“ zu erzählen über Finanzprobleme, protestierende Kasseler, schwierige Künstler, Eifersüchteleien und Streitereien, aber auch über Erfolgserlebnisse und Glücksgefühle in fast sechs Jahrzehnten documenta.

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Wie wird man Leiter der documenta?

Der Job des documenta-Leiters gehört zu den begehrtesten wie anspruchsvollsten unter den Ausstellungsmachern. Die Kunstwelt blickt heute nach Kassel. Was erwartet den oder die neue documenta-Chef(in)? Welche Aufgaben und Herausforderungen stehen an?

Ein Team bilden.

Jeder documenta-Leiter beginnt bei null. Die documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs GmbH hat zurzeit eine Handvoll Mitarbeiter, die für die Kunsthalle und die documenta-Halle zuständig sind. Daraus erwächst bis 2017 ein immer umfangreicheres Team. Der neue Chef braucht bald einen Assistenten, einen Pressesprecher, einen Projektmanager ... Bereits im Boot: documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld, der letztmals das Auswahlverfahren organisiert. Er tritt in den Ruhestand, ihm folgt am 1. April 2014 Annette Kulenkampff nach.

Kassel kennenlernen.

Mit höchster Wahrscheinlichkeit kennt der neue documenta-Leiter Kassel bislang nur von der Weltkunstschau. Jeder documenta-Kurator muss sich aber irgendwie zur documenta-Stadt und den Vorgänger-Ausstellungen positionieren. Ein Gespür für Kassel zu entwickeln, sich in die Geschichte zu vertiefen - das ist unabdingbar. Denn es gilt, einen Spagat zu vollbringen: Kunst aus allen Weltgegenden in der kleinen Nordhessen-Metropole zu zeigen. Christov-Bakargiev glückte es, den Kasselern unbekannte, vergessene Ecken ihrer Stadt zu erschließen. Roger M. Buergel band die Stadt über einen documenta-Beirat ein.

Räume finden.

Extra

HNA-Spezial zur documenta

Die documenta im Regiowiki der HNA

Traditionell sind das Museum Fridericianum, die documenta-Halle und die Neue Galerie documenta-Standorte. Diese Flächen reichen aber bei Weitem nicht, um Kunst für Hunderttausende zu präsentieren. Die Lösungen zuletzt: Leerstände nutzen (wie Okwui Enwezor die ehemalige Binding-Brauerei und CCB den Nordflügel des Kulturbahnhofs), temporäre Bauten errichten (wie Buergel den Aue-Pavillon) oder auf dezentrale, weitläufige Standorte setzen (wie 2012 in der Karls-aue und in der Innenstadt).

Auf Reisen gehen.

Die wichtigste Aufgabe aber ist natürlich, die Künstler einzuladen. 2012 waren es über 300 Teilnehmer, die Autoren der Reihe „100 Notizen - 100 Gedanken“ eingeschlossen. Seit der Enwezor-documenta 2002 wird erwartet, dass die documenta nicht nur die Kunst der westlichen Welt widerspiegelt, sondern den Blick auch nach Afrika, Asien oder Südamerika richtet. Zum Anforderungsprofil gehört also eine wirklich globale Perspektive. Die wird die d14-Leitung auch auf Reisen gewinnen.

Mit Erwartungen umgehen.

Sind 860.000 Besucher noch steigerungsfähig? Bemisst sich Erfolg nur an Rekorden? Wann muss man von einem Misserfolg sprechen? Nach dem documenta-Sommer 2012 liegt die Messlatte für 2017 hoch. Der d14-Leiter muss sich vor allem der Frage stellen, ob weiteres Wachstum möglich und wünschenswert ist.

Leserbilder: Das sind ihre Bilder von der documenta 13 Teil 6

 © Werner Lamm
 © Werner Lamm
 © Jens Haines
 © Jens Haines
 © Michael Schwab
 © Heike Wenskaht
 © Peter Wenskaht
 © Michael Schwab
 © Michael Schwab
 © Reinhard Rudolph
 © Reinhard Rudolph
 © Reinhard Rudolph
Michael Dressel © 
Michael Dressel © 
Michael Dressel © 
Leserbilder von der Documenta
Das ist Kunst - in einem Schaufenster in der Innenstadt © Marion Lindenberger
Leserbilder von der Documenta
Gut gerahmt: Die Orangerie © Marion Lindenberger
Leserbilder von der Documenta
Wollmaus in künstlichem Wind © Marion Lindenberger
 © Silvia Sinzig
 © Silvia Sinzig
 © Silvia Sinzig
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
Ausschnitt aus der Videoinstallation von Mika Taanila. © Andreas Koch
Tragende Bambussäulen? Nein, was Judith Hopf in Breitenau aufbaute, wächst und gedeiht nur scheinbar. Die aufeinandergeklebten zerbrechlichen Gläser sind zwischen den Holzdecken fest eingeklemmt und bilden ein Rückgrat ohne belastungsausgleichende Bandscheiben! Wehe, es trampelt einer auf der Decke herum und bringt diese zum Vibrieren… © Andreas Koch
Diese Aufnahme weist auf das Ende der D 13 am 16.09.2012 hin. © Andreas Koch
Aus der Documenta-Halle © Werner Lamm
 © Marcus C. Leitschuh
 © Marcus C. Leitschuh
 © Marcus C. Leitschuh
 © Katja Neuendorf
 © Katja Neuendorf
 © Katja Neuendorf
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
ochter Linnea (4 Jahre) im "Dog Run" © Dr.Andreas Reyer
ochter Linnea (4 Jahre) im "Dog Run" © Dr.Andreas Reyer
 © Wolfgang Wittal
 © Wolfgang Wittal
 © Wolfgang Wittal
 © Gregory Dauber
100 Tage vergingen wie im Flug, die Documenta geht leider zu Ende. © Werner Pohl
Ein älterer Herr schaut sich mit einem Documenta-Katalog in der Hand voller Interesse abgelegte Kartons an. © Werner Pohl
Tauben-Sperre am Fridericianum-Fenster. © Werner Pohl
In der Regel stört es, wenn wenn jemand bei einer Aufnahme durch das Bild läuft. Hier ist es genau umgekehrt. Ein gelungener Zufall © Uwe Rettberg
 © Detlef Wagner
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Ruth Brosche
 © Renate Schweizer
 © Renate Schweizer
 © Renate Schweizer
 © Katja Neuendorf
 © Katja Neuendorf
 © Katja Neuendorf
Das Bild „Der Blick des Staunens“ entstand als ich in der Neuen Galerie das Mädchen sah, welches mit einem staunenden und ehrfürchtigen Blick die Bilder aus Australien von Gordon Bennet ansah. Gleichzeitig fiel mir die Harmonie der Farben von den Bildern und dem Kleid des Mädchens auf. Ein Grund mehr dieses Bild festzuhalten. © Rudolf Schaffer
Das Bild „Musikrausch“ ist eigentlich zufällig entstanden. Als ich fasziniert der Musik von Llyn Foulkes mit The Machine im Fridericianum lauschte, wollte ich auch ein Foto machen. Während der Aufnahme wurde ich von einem Besucher kurz angestoßen, dabei entstand dieser Farbschleier. Als ich das Bild betrachtete kam mir augenblicklich der Titel Musikrausch in den Sinn. © Rudolf Schaffer
Dieser Raum von Susan Hiller in der Neuen Galerie hat mir besonders gefallen. Hier war Harmonie, Ruhe und Einklang vertreten. Eine Oase der Entspannung. Die Anordnung der Musikbox und die entspannten Menschen davor musste ich unbedingt festhalten. © Rudolf Schaffer
Im Hugenottenhaus hörte ich eine Flöte. Die Spielerin stand vor dem Fenster und ich konnte eine Gegenlichtaufnahme machen die die momentane Stimmung festhielt. © Rudolf Schaffer
Eines meiner ersten Documentaeindrücke war die Begehung des Tunnels von Gabriel Lester. Bei der zweiten Begehung machte ich das Bild „Geist im Tunnel“ . Das Bild ist durch Verzerrung einer längeren Belichtung entstanden und bringt etwas Mystisches in den sonst sehr nüchternen Tunnelalltag. © Rudolf Schaffer
Im Raum von Amar Kanwar im Ottoneum war es sehr dunkel und Aufnahmen nur schwierig möglich. Trotzdem war es sehr interessant diese Ausstellung eingehend zu studieren denn durch die Dunkelheit entstand eine einfühlsame Atmosphäre. Die Aufnahme mit dem Titel „An der Samenwand“ entstand aus der Hand heraus mit anhalten der Luft, damit nichts verwackelt. © Rudolf Schaffer
Durch eine Teleaufnahme rücken die beiden Brücken, einmal die schwimmende Mangoldbrücke und die bestehende Karlsauenbrücke eng zusammen so dass eine scheinbare Vereinigung entsteht. © Rudolf Schaffer
Im Fridericianum entdeckte ich ein Paar bei der Betrachtung der Kunstgegenstände von Doreen Reid Nakamarra und Warlimpirrnga Tjapaltjarri und hielt den Moment der Betrachtungshaltung fest. © Rudolf Schaffer
In der documentahalle wurden die Puppen der ausgeschlüpften Schmetterlinge von Christina Buchs Hochbeet auf dem Theaterplatz sorgfältig aufgesteckt. Mit der Kamera habe ich eine besondere Sichtweise erreicht, so dass die Puppen wie eine Armee wirken. © Rudolf Schaffer
 © Werner Lamm
 © Werner Lamm
 © Lydia Peters
 © Lydia Peters
 © Sabrina Schiffmann
 © Sabrina Schiffmann
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 © Hannes Rösele
 © Hannes Rösele
 © Hannes Rösele
 © Reinhard Müller
 © Reinhard Müller
 © Reinhard Müller
 © Reinhard Müller
 © Reinhard Müller
 © Reinhard Müller
 © Reinhard Müller
 © Wollestein
 © Wollestein
 © Frank Selbmann
 © Frank Selbmann
 © Frank Selbmann
 © Frank Selbmann
 © Frank Selbmann
Oft mit Herrchen in der Karlsaue unterwegs habe ich mich über die vielen verschiedenen und meist auch sehr netten Menschen gefreut. Die Mangoldfähre (mit der ich nicht fahren durfte), der Hügel und die Zypressen werden mir fehlen. Aber noch mehr als Dog Run werde ich Massimo Bartolini's Tsunami-Welle vermissen. Die d(13) wird mir fehlen. Gruß, Louis, dreijähriger Golden Retriever mit Herrchen Jörg Rudolph aus Fuldatal. © Jörg Rudolph

Von Mark-Christian von Busse

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