documenta-Künstler Harun Farocki ist tot

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Harun Farocki

Kassel. Roger M. Buergel, künstlerischer Leiter der documenta 12, bot Harun Farocki im Jahr 2007 den prominentesten Platz seiner Kasseler Ausstellung an: die Rotunde im Fridericianum.  Am Mittwoch ist Farocki, wie seine Galerie Ropac in Salzburg und seine Familie bestätigten, gestorben. Er wurde 70 Jahre alt.

Der Filmemacher, Drehbuchautor - unter anderem für Christian Petzold - und Künstler zeigte in Kassel seine Medieninstallation „Deep Play“, Aufnahmen des Fußball-WM-Finales von 2006, fragmentiert und parallel auf zwölf Monitoren.

Seit 1966 hatte Farocki über 100 Produktionen für Fernsehen und Kino verantwortet - vom Kinderfernsehen über Dokumentar- und Essayfilme bis hin zu Spielfilmen. Seit 1996 stellte er auch in Museen und Galerien aus. Skepsis gegenüber Medienprodukten und inszenierten Wirklichkeiten prägte Farockis Werk. „Er zeigt, wie man die Welt im Film abbildet, ohne ihr Behauptungen aufzuzwingen oder ihr zu erliegen“, schrieb die Kritikerin Swantje Karich zu seinem 70. Geburtstag über Farockis „Fähigkeit, gleichzeitig deutlich und antiplakativ zu filmen“.

Prominenter Platz: Harun Farockis Installation „Deep Play“ 2007 in der Rotunde im Fridericianum.

Geboren wurde Farocki als Sohn eines Inders und einer Deutschen 1944 in Novy´ Jic?ín (Neutitschein), gelegen im damals von den Deutschen annektierten Teil der Tschechoslowakei. Er studierte an der Film- und Fernsehakademie Berlin, war Redakteur von „Filmkritik“ und zuletzt Professor an der Akademie für Bildende Künste, Wien. Der Vater zweier Töchter war in zweiter Ehe verheiratet. Die documenta-Teilnahme war in seinem Lebenslauf der prominenteste Eintrag - als einziger ist er auf seiner Seite www.farocki-film.de fettgedruckt. (vbs)

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