Düsseldorfer Künstler starb kurz vor 85. Geburtstag

documenta-Kunstwerk: Der Vater des Kasseler Lasers ist tot

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Kasseler Lichtwahrzeichen: Der Laser von Horst H. Baumann, ein documenta-Kunstwerk von 1977, strahlt vom Zwehrenturm des Fridericianums. Unsere Aufnahme entstand während des jüngsten Weihnachtsmarktes Ende 2018.

Der Kasseler Laser ist das populärste Lichtwahrzeichen der Stadt. Nun ist sein Erschaffer, der Künstler Horst H. Baumann (84), gestorben. Er musste anfangs gegen Widerstände kämpfen.

Er hat Kassel ein prägendes documenta-Kunstwerk geschenkt: Horst H. Baumann. 1977 schuf er zur d6 den „Laserscape“ auf dem Zwehrenturm des Fridericianums. Vorigen Freitag ist der Düsseldorfer Künstler wenige Wochen vor seinem 85. Geburtstag gestorben, wie das documenta Forum von Baumanns Tochter erfahren hat.

Alles begann mit Bedenken. Würde der Laser ein Sicherheitsrisiko sein? „Unser Strahl im Luftraum ist absolut ungefährlich“, versicherte Baumann. „Die schönste Form des Lichtes“ sei er überdies. Die Grundidee beschrieb diese Zeitung damals so: „Kassel um etwas Unnützes bereichern, die Stadt damit interessanter, unverwechselbarer und auch liebenswerter zu machen.“

Das ist dem gebürtigen Aachener gewiss gelungen – Baumanns Laser, der unter anderem das Fridericianum über 7350 Meter Luftlinie mit dem Oktogon des Herkules verbindet, ist zum populären Lichtwahrzeichen der documenta-Stadt geworden.

Horst H. Baumann

Dabei gab es öfter Negativschlagzeilen. Immer wieder musste die Technik repariert werden, 1992 wurden gar Teile vom Turm gestohlen. Aber stets fanden sich Sponsoren, denen die leuchtenden Linien am Herzen lagen – darunter auch der damalige HNA-Verleger Rainer Dierichs.

Dem documenta Forum, einem Verein, der die Weltkunstausstellung unterstützt, ist es ebenfalls zu verdanken, dass der Laser noch leuchtet. Er startete 2006 eine Spendenaktion, bei der einzelne „Lasermeter“ gekauft werden konnten, um die Erneuerung der Technik zu stemmen. Sie ist längst viel leichter und leistungsstärker als in ihren Anfängen.

Hier strahlt der Laser.

1978 nannten wir Baumann einen „Multi-Media-Mann“. Ursprünglich Fotograf, betätigte er sich auch als Designer und Dozent – auf seiner Webseite laserscape.de findet sich bis in die jüngste Zeit eine Vielzahl von Projekten. „Er war bis zuletzt begeistert und beseelt von seiner Idee“, berichtet Jörg Sperling, Vorsitzender des documenta-Fördervereins. Baumanns Vorschlag: den Laser mit einem roten Strahl vom Turm des Landesmuseums zum Herkules zu vervollständigen. Wie es schon 1977 der Grundgedanke war: Koordinaten über Kassel zu legen.

Das documenta Forum, das für zehn Jahre den Betrieb gesichert hatte, leitete auch in die Wege, dass Baumann 2018 die Rechte am Kunstwerk an die Stadt Kassel übertrug. Betrieben wird der Laser seit diesem Jahr von den Städtischen Werken. Auch zwei Modelle hat Baumann übergeben. Vor allem aber die Lichtstreifen am Himmel werden auch künftig an ihn erinnern. 

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