documenta-Professorin sprüht vor Ideen

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Dr. Dorothea von Hantelmann

Kassel. Dr. Dorothea von Hantelmann bemühte sich Dienstagabend bei ihrer Vorstellung im documenta-Forum, Erwartungen zu dämpfen. Das wichtigste Ziel ihrer für zwei Jahre neu eingerichteten documenta-Professur sei, dass es danach weitergehe, dass ihre Impulse nicht verpufften.

Sie habe ein volles Lehrdeputat mit Klausuren, Hausarbeiten, Prüfungen. Eine Vorlesung schreibe sich nicht von selbst, in zwei Jahren die documenta-Geschichte aufzuarbeiten, „das kann kein Mensch leisten“.

„Ich habe noch nicht mal einen Schreibtisch in der Kunsthochschule“, bremste die 43-Jährige Hoffnungen auf schnelle Ergebnisse. Einerseits. Denn andererseits sprüht sie vor Ideen: Die Studierenden mit dem documenta-Archiv, dieser „Goldgrube“, vertraut zu machen, zum 60. Jahrestag der ersten documenta 2015 eine Tagung auszurichten, im Anschluss an Seminare in eine „Art von Salon“ einzuladen.

Und: Von Hantelmann gelang etwas Faszinierendes. Sie umriss nicht nur ihre wissenschaftliche Position, sie eröffnete 40 Zuhörern einen weiten Horizont, spannte den Bogen von der „Curiositas“, der Neugier in den fürstlichen Wunderkammern, bis zur documenta. Museumskonzepte, Ausstellungen, sagten viel über grundlegende Züge einer Gesellschaft aus, so von Hantelmann, sie seien Laboratorien, Dokumente ihrer jeweiligen Zeit. Heute stünden sie für ein „liberales, individualistisches Ritual“, das mit der modernen kapitalistischen Wachstumsökonomie korrespondiere. „Das war ja die Einführung in eine Vorlesungsreihe“, staunte nicht nur Moderator Dirk Schwarze.

Man verstand schnell, warum die in Berlin lebende Mutter zweier Kinder „intuitiv“ sofort für Kassel zusagte und ihre Habilitation ruhen lässt: Weil die documenta exakt in ihr Forschungsgebiet passt.

Von Mark-Christian von Busse

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