Ärger mit d13-Verantwortlichen: Künstler ist enttäuscht

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Gregor Schneider

Kassel. Der Künstler Gregor Schneider zeigt sich enttäuscht: Vor der Absage seiner für die Karlskirche geplanten Ausstellung während der documenta 13 seien weder Alternativen seiner Entwürfe diskutiert worden noch sei über Kompromisse gesprochen worden.

Die Leitung der Landeskirche von Kurhessen und Waldeck habe sich auf Druck der künstlerischen Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev genötigt gesehen, die ganze Ausstellung abzusagen, obwohl er seine Entwürfe bewusst offengehalten habe: „Ich habe verschiedene Variationen zur Diskussion gestellt.“ Er habe angeboten, seine Installation „auch ausschließlich in der Kirche zu realisieren. Es ging nicht um innen oder außen.“

Der 43-Jährige teilte in einer E-Mail aus Sydney, wo er derzeit eine Ausstellung in der Art Gallery of New South Wales einrichtet, mit, anfangs habe er die Absage „als eine Geste des Respekts gegenüber der documenta 13 wahrgenommen und akzeptiert“. Weil die documenta mit der Balkenhol-Ausstellung jedoch ein zweites kirchliches Kunstprojekt verhindern wollte, sehe er sich nun zum Widerspruch herausgefordert.

Denn für Schneider hat dieses Vorgehen „System“: Es gehe um die „Monopolisierung des öffentlichen Raumes, in deren Rahmen Kunst durch Kunst verboten wird“, die er als Künstler - auch in Solidarität mit seinem Künstlerkollegen Stephan Balkenhol - nicht akzeptieren könne. Dass die documenta versuche, „eigenständige, unabhängige Institutionen zu zensieren“, müsse Anlass sein, grundsätzlich „die Struktur und Autorität eines documenta-Kurators zu hinterfragen“.

Schneider betont, dass ihn bei seinen umstrittenen Projekten gerade Kunstkuratoren im Stich gelassen hätten. „Da waren es die Kirchenmänner und -frauen, die mir geholfen haben.“ Auch der Künstlerische Beirat der Kirche in Kassel habe ihn unterstützt.

Schneider wollte in Kassel seine Vorstellung „von einer anderen Kirche verwirklichen“, wie er schreibt - in „einem architektonischen Dialog der Religionen“. Er wollte eine aus Kalkutta importierte Häuserstruktur des hinduistischen „Durga Puja“-Festes - wo er umgekehrt im Oktober 2011 eine Mönchengladbacher Straßenstruktur realisiert hatte - in Kassel aufbauen. Schneider: „Diese Transformation geht weiter. Ich überlege, ob ich nun nicht alles in China aufbaue.“

Von Mark-Christian von Busse

Quelle: mydocumenta

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