Aktionen im Schlepptau der documenta haben Tradition

Humor unterm Herkules: Wolfgang Fricke (links) und Hans-Joachim Maus riefen 1997 die sockumenta ins Leben und sorgten damit für Furore. Archivfoto:  nh

Kassel. Ob sockumenta oder Braut des Maurers - rund um die documenta treibt die Kunst in Kassel regelmäßig Blüten. Damit musste sich auch die eigenwillige d X-Leiterin Catherine David abfinden.

Deren Parcours vom Kulturbahnhof zum Fridericianum avancierte 1997 zum Lieblingsobjekt der Spötter, die mit der vermeintlichen Provinzialität Kassels Schlagzeilen machten.

Nachdem sich David im fernen Paris ein Jahr vor dem Start der d X über die Sockenvitrinen in der Unterführung mokiert hatte, riefen sie kurzerhand die „sockumenta“ aus und verteilten in Anlehnung an das documenta-Logo Aufkleber mit einer durchgekreuzten Socke. Die „sockumenta X“ hatte jede Menge Anhänger in der Stadt, auch wenn sich Madame David für ihre Bemerkungen entschuldigte. Der derart zu Ehren gelangte Socken-Laden musste im Jahr 2005 schließen, als die Unterführung im Zuge des Streckenbaus für die Regiotram aufgegeben wurde.

Schmunzeln rief auch die Braut des Maurers hervor, die Ernst Kahl zur documenta 12 für die Caricatura vor dem Kulturbahnhof schuf: Der Mauerblock mit dem Schlitz zog die Blicke auf sich und wurde am Ende von unseren Lesern zum Lieblingskunstwerk gewählt - allerdings außer Konkurrenz. Denn die freche Skulptur war nicht Teil der Weltkunstausstellung, bei Freunden der komischen Kunst aber äußerst beliebt.

Mit ernsthafter Kunst begleitet die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck seit Jahrzehnten die documenta. Zur documenta 12 präsentierte sie in der Martinskirche und der Karlskirche die Ausstellung Vision / Audition mit fünf Vertretern der Medienkunst. Der Schweizer Künstler Yves Netzhammer, der im documenta-Jahr 2007 auch auf der Biennale in Venedig vertreten war, schuf dafür eigens eine Rauminstallation für die Karlskirche. Solange die Kunst auf die Kirchenräume begrenzt war, gab es keine Konflikte mit der documenta.

In der katholischen Kirche St. Elisabeth am Friedrichsplatz zeigten die Licht- und Installationskünstler Katarina Veldhues und Gottfried Schumacher vor fünf Jahren in ihrer Ausstellung „com//Passion“ großformatige, lichtdurchflutete Porträts von Patienten, Schwestern und Pflegern. Die Ausstellung des Bistums Fulda und des Dekanats Kassel-Hofgeismar zum Jubiläumsjahr der heiligen Elisabeth im Begleitprogramm der d 12 fand großen Anklang. Fünf Wochen vor dem Ende der Schau zählte die katholische Kirche 17 500 Besucher.

Quelle: mydocumenta

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