Künstler Daniel García Andùjar

Alte Ideen in Flammen: Künstler verbrennt Skulptur im Nordstadtpark

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Letzte Chance: Die mehrstöckige Skulptur „The Trojan Horse“ von Daniel García Andùjar ist nur noch am Freitag in der Neuen Hauptpost zu sehen. Ab 20 Uhr wird sie verbrannt.

Warum sehen wir in den meisten Kunstmuseen der Welt dieselben (europäischen) Künstler?

Wie entsteht ein Kanon und wem nützt diese Auswahl vermeintlich wertvoller Bilder? Mit diesen Fragen setzt sich der spanische Künstler Daniel García Andújar auseinander, der in der neuen Hauptpost ein fünf Meter hohes Anti-Helden-Denkmal aus eingerüsteten Körpern aufgestellt hat.

In Tetris-artig verschachtelten Quadern stapeln sich griechisch anmutende bleiche Idealkörper übereinander – ein so monumentales wie plakatives Bild für die Dominanz einer weißen, männlichen, kolonialen Kultur. Am oberen Rand der Installation scheint sich eine Figur aus den gedanklichen Schubladen befreit zu haben. In klassischer Historienschinken-Revolutionspose hockt eine geschlechtlich uneindeutige Figur (mit abnehmbarem Penis) auf den Holzplanken und ballt die Faust gen Hallendecke.

Spanische Tradition

Dieses eingefrorene Befreiungsritual scheint dem Künstler allerdings nicht genug zu sein. Am Freitag wird seine Installation aus Holz und Pappmaché in einer heidnischen Zeremonie im Nordstadtpark verbrannt – ganz in der Tradition des spanischen Fallas-Festes, bei dem im Frühjahr als symbolische Reinigung eigens erbaute Skulpturen in Brand gesteckt werden.

Mit Andujàrs „Trojanischem Pferd“ – ein Ausstellungsstück, das sich genau die Institutionen vorknöpft, die es ausstellen – geht dem d14-Standort neue Hauptpost eines ihrer auffälligsten Ausstellungsstücke verloren. Eine Leerstelle, die die documenta aushalten will.

Was bleibt, ist ein Häufchen Asche und das Wandarchiv, mit dem Daniel García Andújar die Entstehung des westlichen Kunstkanons untersucht. Für ihn haben diese historisch gewachsenen Wertvorstellungen eine enge Verbindung zu Krieg und Gewalt. Was, wenn ein Museum in Kriegszeiten nur eine begrenzte Anzahl Werke vor der Zerstörung retten kann? Was darf überleben?

In Andùjars Lesart bestimmen immer die Mächtigen, was wichtig ist, und die Macht setzt sich auch in den Kunstinstitutionen fest. Kanon ist für Andùjar – ganz auf der Linie der d14-Ideen – vor allem eine Frage von Ideologien. Teile dieser Tradition sollen heute Abend im Nordstadtpark in Flammen aufgehen.

Alles zur documenta 14 finden Sie hier. 

Treffpunkt ist um 20 Uhr die neue Hauptpost (Eingang Gießbergstraße). Dann zieht eine Parade zum Park. Die Verbrennung soll gegen 23 Uhr beginnen.

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