Kunstwerk von Rebecca Belmore

Anfassen erlaubt: Das Marmorzelt ist eine beliebte Attraktion auf der documenta

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Bitte recht freundlich: Vor dem Marmorzelt auf dem Weinberg fotografieren sich die documenta-Besucher gegenseitig. 

Kassel. Sie ist mit ihren Freundinnen vor der Grimmwelt aus dem Auto gestiegen und hat das Ziel des Ausflugs sofort entdeckt. „Da ist es, da ist das Zelt“, jubelt sie.

Es ist aber auch wirklich nicht schwierig, das Marmorzelt von Rebecca Belmore auf dem Weinberg zu finden. Ganz im Gegensatz zu Athen. Da war Bärbel Hochschild zwar nicht, aber Freundinnen haben ihr von ihrem Ausflug erzählt. „Sie hatten große Schwierigkeiten und haben lange nach dem Zelt gesucht“, sagt die 62-Jährige aus Germerode am Meißner. Aber Kassel ist nicht Athen. Hier haben Bärbel Hochschild und ihre drei Freundinnen aus Hannover und Göttingen das Marmorzelt sofort gefunden.

Mit ihnen haben sich ganze Völkerscharen auf den Weg zu dem ungewöhnlichen Kunstwerk gemacht, das erst vor wenigen Tagen von Athen aus in Kassel angekommen ist. Hier ist im Gegensatz zu fast allen anderen Ausstellungsstücken bei der documenta Anfassen ausdrücklich erlaubt. „Man darf sich auch in das Zelt hineinsetzen“, sagt documenta-Pressesprecherin Henriette Gallus. Ihr sei es in Athen aber seltsam vorgekommen, sich in dem Zelt fotografieren zu lassen.

Eine Übersicht über alle documenta-Kunstwerke sowie alle Informationen zur Weltkunstausstellung gibt es hier.

Die documenta-Besucher in Kassel gehen mit dem in Marmor gemeißelten Symbol für die Flüchtlingsproblematik sehr viel unbefangener um. „Würden Sie uns mal bitte fotografieren?“, fragt ein Familienvater und hält dem sportlichen Rentner, der mit dem Fahrrad gekommen ist, sein Handy hin. Später revanchiert er sich. Kinder strecken ihre Hände durch das Loch in der Zeltkuppel, rufen nach Mama und Papa und freuen sich über einen bis dahin gelungenen Ausflug. Hobbybildhauerin Bärbel Hochschild studiert derweil fasziniert den Faltenwurf auf dem Dach des Zeltes. „Das ist toll gemacht, ich bin schwer beeindruckt“, sagt sie. Mittlerweile ist eine Gruppe von Japanern gekommen, die sich auch alle gegenseitig vor und in dem Marmorzelt fotografieren.

Jeder fotografiert jeden

So geht das Schlag auf Schlag. Das Marmorzelt ist innerhalb kürzester Zeit zu einer Attraktion geworden – auch ohne Akropolis-Blick. Der Rentner mit dem Fahrrad verabschiedet sich und wirft noch einen Blick hinüber zu der großformatigen Bildtafel mit dem Maori auf dem Pferd und dem britischen Gouverneur im Auto. „Mensch, Mensch, Mensch – alles voller Kunst hier“, ruft er. Und radelt davon. Auch Bärbel Hochschild und ihre Freundinnen ziehen weiter. Um das Zelt stehen neue Gruppen von Menschen, die sich gegenseitig fotografieren.

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