Mein Lieblingskunstwerk: Der Angriff der Zypressen auf die Orangerie

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Zum Schluss der dOCUMENTA (13) steht die Zypressen-Armee nur noch 20 Meter von der Orangerie entfernt

Kassel. Sie hatten das Ziel vor Augen. 100 Tage lang. Jetzt – kurz vor Ende der documenta – sind sie fast da. Belagern die Orangerie, so regungslos wie wachsam.

20 Zypressen in auffällig orangefarbenen Töpfen hat die Künstlerin Maria Loboda vor knapp 100 Tagen über die Karlswiese auf Mission geschickt. Los ging es gut getarnt im Schatten der Bäume zwischen Küchen- und Hirschgraben. Von da an begleiteten mich die Zypressen bei meinen morgendlichen Jogging-Runden. Oder ich sie – je nach Perspektive.

Die Zypressen-Armee greift an

documenta 13: Maria Lobodas Zypressen

Einmal in der Woche änderten sie in den vergangenen drei Monaten ihren Standort, pirschten sich in der Deckung des Doing Nothing Gardens an die Orangerie an. Wie Soldaten in Reih und Glied, bildeten sie mal eine gerade Linie, dann eine Zweierreihe oder einen Halbkreis, die Belagerung des Schlosses immer im Blick.

Was es damit auf sich hat? Der etwas sperrige Titel gibt einen ersten Hinweis: „The Work is Dedicated to an Emperor“, auf deutsch: Diese Arbeit ist einem Imperator gewidmet. Er erinnert an die anonyme Widmung von „De re militari“ – einer lateinischen Abhandlung zur Kriegskunst aus dem vierten Jahrhundert. Sie war jahrhundertelang ein Standardwerk für die Kriegsführung. Jetzt hat Loboda, die 1979 in Krakau geboren wurde und bereits in der Vergangenheit mobile Skulpturen aus Pflanzen geschaffen hat, sie für ihren documenta-Beitrag aufgegriffen.

Ein weiterer Hinweis: Für die Wanderung ihrer Zypressen-Armee holte die Künstlerin den Rat eines Militärstrategen ein. So folgten die Zypressen offensichtlich einem Schlachtplan Richtung Orangerie in einem ausgetüftelten Manöver für Vormarsch, Täuschung und Hinterhalt.

Wann genau die marschierenden Bäume ihre Positionen veränderten, sollte dem documenta-Besucher am liebsten verborgen bleiben. Denn der Umzug der Zierbaum-Soldaten, für den jeweils mehrere Personen benötigt wurden, fand immer am späten Freitagabend im Schutz der Dunkelheit statt.

Von Marie Klement

Quelle: mydocumenta

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