Fragen und Antworten zur Kunstausstellung

Annette Kulenkampff, Geschäftsführerin der documenta: „Athen war ein Schreck“

Annette Kulenkampff

Kassel. Für Geschäftsführerin Annette Kulenkampff ist klar, inwiefern sie beim documenta-Abstecher in die griechische Hauptstadt unter dem Motto „Von Athen lernen“ profitiert hat.

 „Gelassenheit und eine unglaublich große Gastfreundschaft“ habe sie kennengelernt. Auch wenn es bei der Organisation lange nicht so aussehe – „irgendwie kriegen Sie die Dinge immer hin.“

Kulenkampff sprach am Sonntag trotz herrlichen Wetters und Zissel-Festzugs vor über 100 Besuchern (siehe unten) – die die Gelegenheit zu Fragen nutzten  – in der Veranstaltungsreihe zur d14-Begleitausstellung in der Elisabethkirche über „Nebenschauplätze der documenta“. 2012 hatte sich die documenta an der Schau in St. Elisabeth kräftig gerieben – diese Konflikte sind ausgeräumt.

Kulenkampff skizzierte, gegenüber welchen Großausstellungen sich die documenta behauptet – Venedig-Biennale, Skulptur Projekte Münster, „Made in Germany“ in Hannover, Manifesta in wechselnden Städten, und „jeden Tag wird irgendwo eine Biennale eröffnet“. „Ich glaube, sie alle profitieren auch von der documenta“, sagte Kulenkampff, „und das macht mich glücklich.“ Sie sei allerdings froh, dass Letztere im Fünf-Jahres-Rhythmus stattfinde: „Sonst würde man ein bisschen am Rad drehen.“

Kulenkampff gestand, dass ihr Adam Szymczyks Athen-Idee – als sie ohne Stimmrecht an den Beratungen der Findungskommission teilnahm – einen Schreck eingejagt habe: „Ich war schon schockiert am Anfang.“ Welche Dimension dieser zweite Standort einnehmen würde, sei auch erst 2016 richtig klar geworden. Aus der Geschichte der Ausstellung heraus sei der Schritt nach Athen aber logisch, folgerichtig und unterstützenswert gewesen.

In unserem documenta-Spezial haben wir alle Informationen zur Weltkunstausstellung sowie die Standorte aller Kunstwerke gesammelt.

„Wir waren in Athen ein ungebetener Gast“, berichtete Kulenkampff, ein Eindringling. Die Erwartung, einfach nur eine „schöne Kunstausstellung“ einzurichten, habe die documenta auch enttäuschen müssen, weil sie immer ein politischer Seismograf sei: „So richtig schön macht die documenta die Dinge selten, sie legt sie offen, und den Finger in die Wunde. Provokation gehört immer dazu.“ Große Unterstützung habe von Anfang an Bürgermeister Giorgos Kaminis geleistet – „ein wunderbarer Mensch“. Und allen Hindernissen zum Trotz, Kulenkampff ist überzeugt, in Athen und Kassel sei „ein Ganzes entstanden“.

Kulenkampf über...

das Fehlen eines d14-ÖPNV-Tickets: „Das wäre für die documenta sehr teuer geworden und lässt sich mit unserem Budget nicht realisieren.“ 

die Bezahlung der documenta-Mitarbeiter: In Athen hatte es Unstimmigkeiten mit Aufsichten gegeben. „Wir versuchen wirklich, alles richtig zu machen und so fair wie möglich zu bezahlen“, sagte Kulenkampff. „Toll bezahlt wird man bei der documenta nie.“ Auf den Einwand, beim Aufbau in Griechenland seien Überstunden nicht vergütet worden, sagte sie: „Die documenta kann nur existieren, weil wir alle rund um die Uhr arbeiten. Wenn wir das alles bezahlen müssten, könnten wir die documenta nicht realisieren.“ 

den Unmut von Athener Choristen: Eine Choristin beklagte, dass nicht alle Athener Ausstellungsführer wie versprochen nach Kassel reisen könnten. Die hiesigen Choristen hätten als Teil ihrer Ausbildung Athen besucht, erwiderte Kulenkampff, jetzt, wo die Schau dort beendet sei, könne die documenta die Flüge der Athener jedoch nicht mehr finanzieren: „Wir können als öffentlicher Arbeitgeber diese Reisen nicht ohne berufliche Begründung gewähren.“ 

die harte Kritik an der d14: Natürlich fühle sie sich durch die „unglaublichen Angriffe“ getroffen: „Die documenta wird sehr ungerecht behandelt.“ Aber wenn eine Ausstellung noch so sehr provozieren könne, sei das vielleicht auch nicht schlecht.

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