Aufsichtspersonen der d13: Grünes Seidentuch wird Kunst 

Zeaullah Ghafari (22) trägt das Tuch klassisch: als Schal um den Hals.

Kassel. Eine täglich wechselnde amüsante Performance als Nebenprodukt der documenta bieten zurzeit die Aufsichtspersonen der Kunstschau. Die Hauptrolle im Improvisationsstück spielt ein grünes Seidentuch mit schwarz aufgedrucktem documenta-Schriftzug.

Der glänzende Schmuck ist das Erkennungszeichen der d13-Aufpasser. Ihn als Arbeitskleidung zu tragen, ist ihnen vorgeschrieben. Wie? Das bleibt jedem selbst überlassen. Und so sind der Kreativität der Nebenpersonen im großen Kunstschauspiel keine Grenzen gesetzt.

Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev persönlich hatte den circa 400 Mitarbeitern gezeigt, welche Möglichkeiten es gibt, das in Afghanistan gewebte Tuch zu binden, zu knoten und zu raffen.

Zeaullah Ghafari (22) trägt das Tuch klassisch: als Schal um den Hals.

„Jeder soll im Tragen des Tuchs seine Kreativität ausdrücken“, sagt Zeaullah Ghafari. Der 22-jährige Student der Wirtschaftsinformatik aus Vellmar hat sich für die klassische Variante entschieden: Er trägt zum farblich passenden veilchenblauen Hemd das grüne Tuch als locker gebundenen Schal. Dass er für das Seidentuch aus dem Heimatland seiner Familie 50 Euro Pfand hinterlegen musste, findet er übertrieben: „Ich glaube nicht, dass das so teuer war.“ Allerdings wollte ihm tatsächlich schon einmal ein französischer documenta-Besucher das Tuch abkaufen. „Die Leute sprechen einen darauf an, wollen es anfassen. Es ist Gesprächsthema.“

Jeden Tag neue Idee

Einen Riesenspaß macht sich Ghafaris Kollegin Tatsiana Kruchko mit dem d13-Arbeits-Accessoire. Gleichzeitig hat sich die Germanistikstudentin selbst eine große Herausforderung gestellt: „Ich möchte das Tuch jeden Tag auf eine andere Weise tragen.“ Mal hat sie es zur großen Schleife gebunden, mal zu einer Blume, oder sie trägt es zum Schiffchen gefaltet auf dem Kopf. Klar, dass die 25-jährige Kasselerin ein beliebtes Fotomotiv ist. „Mir haben schon viele gesagt, ich sei selber ein Kunstwerk.“

Friederike Krämer-Horaczynska

Gedanken darüber, wie sie das Tuch mit den eingewebten blauen und dunkelroten Streifen immer wieder anders trägt, macht sich auch Friederike Krämer-Horaczynska (58) aus Kassel: „Ich hab’s gern locker.“ Bevorzugt trägt sie es als Schal, Schärpe oder um den Arm gebunden. Auch auf die farbliche Zusammensetzung der Kleidung achtet Krämer-Horaczynska. Sogar Schuhe im Farbton des Seidentuchs hat sie gefunden.

Gabriele Mayer sucht immer mal wieder im Internet nach Anleitungen zum Tücherbinden. In kühlen Räumen legt sie den Seidenschal schon einmal um die Schultern. An diesem warmen Sommertag beaufsichtigt sie den Ausgang des Fridericianums und hat sich den Schal einfach um die Taille gebunden.

Von Christina Hein

Quelle: mydocumenta

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.