Auch Zuse ist dabei: Christov-Bakargiev stellte documenta-Künstler vor

Im Blickpunkt: Carolyn Christov-Bakargiev und Bernd Leifeld bei der Eröffnung der Museumsnacht. Später hielt die künstlerische Leiterin einen einstündigen Vortrag über die documenta 13. Foto: Herzog

Kassel. Schon nach den ersten Worten von Carolyn Christov-Bakargiev war klar, dass die künstlerische Leiterin der documenta 13 etwas Wichtiges zu sagen hatte in ihrem Vortrag bei der Kasseler Museumsnacht.

„Keine Aufnahmen“, wiederholte sie gleich dreimal, bevor sie am Samstag vor mehr als 100 Besuchern im rappelvollen Kinoraum der documenta-Halle eine Stunde über die am 9. Juni 2012 beginnende Weltkunstschau redete.

Wer das Verbot unterlief und am Ende heimlich die Dia-Schau im Schnelldurchlauf mitfilmte, in der sie kommende documenta-Künstler vorstellte, kann sich freuen auf Namen wie Horst Hoheisel, den Computer-Erfinder Konrad Zuse (1910-1995), der auch expressionistisch malte, und die kroatische Künstlerin Sanja Ivekovic, die im Kunstsommer 2007 den Friedrichsplatz in ein Mohnfeld verwandelte.

Allen anderen wird das zu schnell gegangen sein. Die Aufnahmen bisheriger Werke der jeweiligen Künstler und die dazugehörigen Namen waren jeweils nur wenige Sekunden zu sehen - da konnte kaum etwas hängen bleiben. „Es ist ein Spiel“, sagte nachher documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld, der seit jeher darauf bedacht ist, nicht zu viel zu verraten: „Wenn jemand sagt, das sei die offizielle Liste, werden wir das dementieren.“

Christov-Bakargiev weiß, wie man das Interesse weckt, ohne alle Geheimnisse preiszugeben. Den US-Bildhauer Jimmie Durham zeigte sie auf einem Bild, wie er in der Karlsaue einen Apfelbaum nachstellte. Und nach dem auf Englisch gehaltenen Vortrag schlenderte sie mit der aus Palästina stammenden Künstlerin Ayreen Aanastas und deren iranischem Kollegen Rene Gabri durch die Halle. Beide arbeiten an ihrem Projekt „End End End“, das sich mit Kassel und seinen Menschen beschäftigen wird.

Auf der Webseite firmieren Aanastas und Gabri auch als Wissenschaftler, was bezeichnend ist. Christov-Bakargiev legt die documenta 13, die sie als „engagierte Ausstellung“ charakterisiert, interdisziplinär an: „Es wird nicht nur eine Ausstellung, sondern ein State of mind.“

Um den Seelenzustand der Welt zu erforschen, reist die 53-Jährige rund um den Globus. Die Eindrücke hält sie auch auf ihrem Blackberry-Smartphone fest, wie eine Bilderschau zeigte. Die Zuschauer sahen die US-italienische Kuratorin mit Künstlern in Kabul, Schlittenhunden auf Spitzbergen und ihren Kindern in Italien. Bis auf Okwui Enwezor, sagt Leifeld, war kein künstlerischer Leiter so viel unterwegs wie Christov-Bakargiev.

Schriftzug als Kommentar

Aber auch eine Kosmopolitin wie sie braucht Zeit zum Durchschnaufen. Der komplizierte offizielle Schriftzug zur dOCUMENTA (13) kann darum als Kommentar zum hektischen Internet-Zeitalter gewertet werden. Man brauche fünfmal länger als normal, um ihn zu schreiben, rechnete Christov-Bakargiev vor: „Die documenta soll nicht verschwendet werden.“

Von Matthias Lohr

Quelle: mydocumenta

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