Aufbau am Parthenon der Bücher: Hoch hinaus für die Kunst

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Hoch hinaus für die Kunst: Boris Heil gehört zum Team der Kletterer. 

Kassel. Auf dem Friedrichsplatz in Kassel entsteht mit dem Parthenon der Bücher ein spektakuläres Kunstwerk der documenta 14. Wir sind mit hochgeklettert.

Höhenangst sollte man nicht haben, wenn man am Parthenon der Bücher auf dem Friedrichsplatz mitarbeiten will. Eigentlich. Thomas Majewski (43) könnte die Kletterer niemals bis hinauf in das Metallgerüst begleiten, wo die verbotenen Bücher aufgehängt werden.

„Mir würde sofort schwindelig“ sagt der Filmemacher, der in Kassel lebt und Kunst studiert. Er bleibt am Boden und stellt aus hunderten von Büchern jeweils ein Sortiment pro Kletterer zusammen. In den Plastikkisten liegen die schwersten Bücher unten. Das Tagebuch aus Guantanamo zum Beispiel, das zwar erscheinen durfte, in dem aber viele Passagen im Auftrag der US-amerikanischen Regierung geschwärzt wurden.

In der Kiste, die Boris Heil mit dem Hubsteiger nach oben bringt, liegen auch Emil und die Detektive von Erich Kästner, Goethes Faust und Alice im Wunderland von Lewis Caroll. „Ich wundere mich auch oft, was alles schon mal verboten war oder noch ist“, sagt der 31-Jährige. Er hat gerade sein Lehrerstudium in der Kasseler Uni beendet und hängt jetzt noch einen ungewöhnlichen Ferienjob dran, bevor es mit dem Referendariat weitergeht. Nein, er hat keine Höhenangst. „Ich klettere in meiner Freizeit, daher ist die Höhe des Parthenons für mich kein Problem“, sagt er. So wie alle seine Kollegen hat er eine intensive Einweisung beim Umgang mit dem Hubsteiger bekommen. Der ist das wichtigste Hilfsmittel beim Aufbau des Kunstwerks und bringt die Kletterer bis in den Giebel der Metallkonstruktion auf 21 Metern Höhe.

Vorgaben, welche Bücher wohin kommen sollen, haben Boris und seine Kollegen nicht. Unten achtet Thomas Majewski darauf, dass mehrfach vorhandene Bücher oder Autoren nicht zu nah nebeneinander auftauchen. Zweimal Hesse, zweimal Kästner, zig mal eine größere Verlagsspende: Das wird alles auf unterschiedliche Körbe verteilt.

Mit dem Hubsteiger geht es hoch, oben ist Handarbeit gefragt. Jedes Buch hat einen Stempel und ist als Schutz vor Wind und Wetter einer vakuumierten Plastiktüte verschweißt. Mit zwei Kabelbindern wird der Beutel am Metallgitter befestigt.

Unterstützung für die Kunst: Tobe Wodtke hängt Bücher ins Metallgerüst, Hund Tipton vertreibt die Tauben.

Hund vertreibt die Tauben

Während oben das Kunstwerk wächst, sorgt unten ein Vierbeiner für Ordnung. Tipton ist ein achtjähriger Bordercollie und gehört Tobe Wodtke, einem der Kletterer. Der flinke Hund verjagt mit Begeisterung die Tauben auf dem Rasen des Friedrichsplatzes.

Auch das ein Beitrag zum Gelingen der documenta, denn die Tauben sollen nicht die Grassamen wegpicken. Damit der Parthenon der Bücher im Gegensatz zum Athener Original nicht auf einer grauen Fläche steht, sondern auf einem sattgrünem Untergrund.

Hoch hinaus im Parthenon: Unterwegs mit den Kletterern

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