Demonstrant Hans Eitle: „Fühle mich zum Protest verpflichtet“

Aufregung am Parthenon der Bücher: documenta beendete Protest gegen Waffen

Kassel. Ein Vorfall, der sich bereits am Samstag am „Parthenon der Bücher“ auf dem Friedrichsplatz ereignet hat, sorgt jetzt für Aufregung.

Artikel wurde aktualisiert um 15.15 Uhr - Ein Demonstrant, der dort mit einem Schild gegen den Kasseler Panzerbauer „Krauss-Maffei-Wegmann“ protestierte, wurde von der documenta GmbH des Platzes verwiesen. Ein Polizeisprecher bestätigt diesen Vorfall. Die documenta habe als Mieter des Friedrichsplatzes Hausrecht und dürfe einen Platzverweis aussprechen. Der Demonstrant musste in Begleitung von Polizisten den Friedrichsplatz verlassen.

Hans Eitle (62) aus Bad Zwesten (Schwalm-Eder-Kreis), der das Schild mit den Schriftzügen „Kriegs-Stadt Kassel baut Waffen“ auf der einen Seite und „documenta-Stadt Kassel macht Kunst“ auf der anderen Seite getragen hatte, versteht die Welt nicht mehr. Dass ausgerechnet zu Füßen des Parthenons der verbotenen Bücher die freie Meinungsäußerung verhindert werde, „ist nicht nur widersinnig, sondern auch Ausdruck mangelnder Souveränität sowohl der documenta-Organisatoren als auch der vollstreckenden Polizei“, sagt Eitle.

Hans Eitle protestierte bei der documenta 14 mit diesem Schild auf dem Friedrichsplatz.

Dabei hatte bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der documenta 14 Adam Szymczyk, der künstlerische Leiter, noch dazu aufgerufen, dass sich die Menschen als politische Subjekte begreifen und Verantwortung übernehmen sollen. Ein Mitglied seines Kuratorenteams forderte „mehr Aufsässigkeit“.

Das ist aber offenbar nicht in der Nähe von d 14-Kunstwerken erwünscht. In einer Stellungnahme der documenta heißt es: Hans Eitle sei in einem konstruktiven Gespräch mit Aufsichtspersonal darum gebeten worden, seine Arbeit nicht in unmittelbarer Nähe der künstlerischen Arbeiten der d 14 zu installieren. „Er ist dieser Bitte leider nicht nachgekommen und musste daher förmlich aufgefordert werden.“ Eitle sei selbstverständlich weiterhin als Besucher willkommen.

Demonstrant Hans Eitle: Habe positive Reaktionen von vielen documenta-Besuchern erhalten

Hans Eitle

Bevor der 62-jährige Hans Eitle aus Bad Zwesten am Samstag gegen 11.45 Uhr von der documenta GmbH des Friedrichsplatzes verwiesen wurde, sei er drei Stunden auf dem Areal der Kunstausstellung unterwegs gewesen. Er habe von vielen Menschen positive Reaktionen wegen seines Schildes bekommen, auf dem er gegen Waffenlieferungen aus Kassel protestierte.

Auswärtige documenta-Besucher hätten erst durch seinen Protest erfahren, dass Krauss-Maffei-Wegmann Panzer in Kassel baue. „Einer sagte zu mir, das ist das Beste, was er auf der documenta bislang gesehen hat“, sagt Eitle. Er sei aber auch wegen der Aktion beschimpft worden.

Im Nachhinein ärgere er sich, dass er nicht lautstark gegen den Platzverweis der documenta protestiert habe, sagt der 62-Jährige, der sich in der Flüchtlingshilfe engagiert. Waffenlieferungen in andere Länder verschärften schließlich dort die Konflikte und verursachten damit auch die Flüchtlingsströme. Als deutscher Staatsbürger fühle er sich deshalb verpflichtet, gegen diese Waffenexporte zu protestieren. Dabei handele es sich um freie Meinungsäußerung, sagt der Mann. Es sei „fast skandalös“, dass dagegen von der Polizei und der documenta GmbH vorgegangen worden sei.

Das Thema Flucht und Migration nimmt einen großen Raum bei den Kunstwerken der d 14 ein.

Stellungnahme der documenta

Grundsätzlich führe die documenta vor Ort offene Gespräche mit allen Künstlern, die nicht offiziell zur documenta 14 eingeladen sind und auf dem Ausstellungsgelände ihre Arbeiten auf verschiedene Arten ausstellen, heißt es in einer Stellungnahme der d 14. Wenn die Arbeiten in unmittelbarer Nähe einer documenta-Arbeit aufgebaut würden, werde sich in der Regel darauf geeinigt, einen alternativen Ausstellungsort zu finden. Das betreffe vor allem den Friedrichsplatz, auf dem mehrere documenta-Außenkunstwerke eine kuratorische Komposition ergeben, die in jahrelanger Arbeit der Künstler entstanden sei, so die documenta.

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