Kasseler Kunstverein plant für die Zeit der documenta Veranstaltungen

Verströmt äußerlich wenig Charme: Das provisorische Zuhause des Kunstvereins an der Werner-Hilpert-Straße nahe dem Kulturbahnhof (im Hintergrund). Im Sommer soll es dort Ausstellungen und Diskussionen über die documenta geben. Foto: Koch

Kassel. Der Kasseler Kunstverein bezieht in diesen Tagen sein Ausweichquartier - leer stehende Läden an der Werner-Hilpert-Straße, gegenüber dem Hotel Reiss. Das Provisorium soll während der documenta Treffpunkt und Anlaufstelle für Kunstfreunde sein und eigene Ausstellungen präsentieren.

Traditionell muss der im Fridericianum angesiedelte Kunstverein in documenta-Jahren ein Ersatzdomizil suchen. Vor fünf Jahren fand er es im Kunstvereinsheim am Karlsplatz. Nun schlägt er seine Zelte in einer ehemaligen Bäckerei und einem Reisebüro auf.

Oder besser: graue Filzmatten und Wellpappe. Wie ein Karton oder eine Umzugskiste werde das Erscheinungsbild sein, kündigt Vorsitzender Bernhard Balkenhol an. In den 3,50 mal 10 Meter großen Ausstellungsraum soll ein riesiger Container als sprichwörtlicher „white cube“ gestellt werden. „Wir wollen uns da nicht festbeißen“, sagt Balkenhol.

Das Thema Unterwegssein, Improvisieren, Umziehen soll in den neuen Räumen auch künstlerisch thematisiert werden. „>trans ... (lat.) quer, hinüber, hindurch, jenseits<„ ist das Programm betitelt. Sieben Ausstellungen sind vorgesehen, die jeweils Mittwochabend eröffnet und zehn Tage von 18 bis 24 Uhr zu sehen sein sollen - als Ergänzung, nicht Konkurrenz zur documenta.

Den Auftakt macht am 30. Mai Ole Aselmann. Bei seinen Aktionen ist er oft Hauptdarsteller - ob er von Calais nach Berlin wandert oder mit einem Schaf die Alpen überquert.

Es folgt Ella Ziegler, die an der Kunsthochschule Kassel die Basisklasse Bildende Kunst leitet. Sie klinkt sich laut Balkenhol bevorzugt mit Interventionen in Alltagssituationen ein - etwa, indem sie mit einem Gartenhäuschen eine Verkehrsinsel okkupiert. Zum Abschluss zeigt die Agentur-Fotografin Anja Niedringhaus, die gerade im Ausstellungshaus C/O Berlin eine viel beachtete Schau hatte, Aufnahmen aus Kriegsgebieten.

Auch das Kunstvereinsbüro wird umziehen. Nicht nur Editionen wird es zu kaufen geben, sondern auch eine Tasse Kaffee für müde documenta-Besucher, die den Kulturbahnhof angesteuert haben. Abends soll ein lockeres Programm spontan documenta-Gäste versammeln: als Diskussionsplattform in intimem Rahmen.

Umzug, Miete, Infrastruktur kosten die Kunstfreunde 60 000 Euro. Ein Drittel trägt der Verein, ein Drittel steuert die Stadt Kassel bei, die Anfrage nach den fehlenden 20 000 Euro habe das Land bisher nicht beantwortet, sagt Balkenhol - wie bei früheren Umzügen. Zum Jahresende liege die Bilanz bei „plus minus null“. Schwierig sei, dass die documenta „alle Sponsoren auffrisst“. Archivfoto: Schoelzchenj

Von Mark-Christian von Busse

Quelle: mydocumenta

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