Studentischer Wettbewerb liefert Vorschläge, wie Container ersetzt werden können

documenta-Zentrum: Bauten statt Container

Wandeln unter Bäumen: Der preisgekrönte Entwurf von Fabian Scharf (Uni Weimar) arbeitet mit Holzmodulen, die überspannt werden. Illustration: Scharf / nh

Kassel. Eine futuristische Zeltstadt, eine Passage vor dem Fridericianum, eine Holzkonstruktion unter Baumkronen: Das sind drei von vier preisgekrönten Vorschlägen eines internationalen studentischen Wettbewerbs für dasInformations- und Kommunikationszentrum der documenta.

Statt schmuckloser Container, wie sie bislang während der Weltkunstausstellung für Ticket-Verkauf, Shops und Buchläden zum Einsatz kommen, haben die Teilnehmer des von der Universität Kassel in Zusammenarbeit mit der documenta GmbH ausgelobten Wettbewerbs spannende Lösungen entwickelt. Bei dem temporären Bauwerk an der Friedrichsplatz-Treppe, das der vierte Preisträger entwarf, können sich Besucher wie auf einer Bühne fühlen.

Mehr Informationen zur documenta finden Sie in unserem Regiowiki

Die Idee zu dem Wettbewerb hatte der Kasseler Architekt und Lehrbeauftragte Thomas Fischer (Atelier 30 Architekten). Schließlich habe auch documenta-Gründer Arnold Bode, der unter anderem einen Jazz-Club in der Orangerie schuf, großen Wert auf einen angemessenen Empfang der documenta-Gäste gelegt. Inzwischen sei die Besucherzahl von 350 000 in den 1970er-Jahren auf über 750 000 gestiegen. Die documenta, bedeutendste Kunstausstellung der Welt, empfange ihre Gäste aber in einfachen Containern.

Fantastisch: Der Chinese Jie Tang (TU München) hat eine von Heißluftballons getragene Zeltlandschaft entworfen.

„In anderen Ländern geht man damit anders um“, sagt Fischer. Als Beispiele nennt er die Biennale in Venedig und die Serpentine Gallery in London, die alle zwei Jahre von namhaften Architekten wie Peter Zumthor und Jean Nouvel temporäre spektakuläre Bauten als Räume der Begegnung entwerfen lässt, die später weiterverkauft werden.

„Die Architektur wird zum Werbeträger, ohne mit der Ausstellung zu konkurrieren“, sagt Fischer. „Man baut kein Haus für die Ewigkeit.“ So könnten auch die ausgezeichneten Entwürfe des studentischen Wettbewerbs nach und nach für die nächsten Ausstellungen errichtet werden.

Vorarbeit: Architekt Thomas Fischer hat den Wettbewerb auf den Weg gebracht. Die Studentinnen Zita Stephan, Lisa Heppner und Vanessa Thömen (von links) haben die organisatorische Betreuung übernommen. Mit dabei, aber nicht auf dem Foto: Veronika Scheller. Foto: Koch

Unterstützung kam von Prof. Brigitte Häntsch vom Fachbereich Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung. Die Atelier 30 Architekten übernahmen Auslobung und Betreuung, Sponsoren wie die Uni Kassel, das Kunstministerium und private Spender die Finanzierung des Wettbewerbs. Über 400 Arbeiten wurden eingereicht. „Äußerst spannend und interessant“ findet documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld die Entwürfe des Ideenwettbewerbs. „Man muss immer neue Lösungsmöglichkeiten für die documenta suchen“, sagt er. Der Wettbewerb sei Anregung, über das eine oder andere nachzudenken. Für die documenta im nächsten Jahr kämen die Vorschläge aber zu spät, sagt Leifeld. Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev lege großen Wert auf eine Gesamtgestaltung, zu der auch der Friedrichsplatz gehöre. „Es gibt aber Entwürfe, die eine Chance für die Zukunft haben, wenn die künstlerische Leitung zustimmt.“ Bis dahin wird es laut Leifeld wieder Container geben.

Von Ellen Schwaab

Quelle: mydocumenta

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.