Mein Lieblingskunstwerk: Maria Castillo Deballs bunte "Uncomfortable Objects" im Fridericianum

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Mariana Castillo Deball: Uncomfortable Objects"

Kassel. „Ist das hier echtes Gold?“, fragt ein Junge, der voller Begeisterung einen goldfarbenen Spazierstockknauf entdeckt hat. Seine Mutter weiß keine Antwort.

Während Kinder ganz dicht an das raumfüllende Kunstwerk von Mariana Castillo Deball herantreten und immer neue Dinge wie Porzellanscherben, Keramikfiguren und auch einen Versteigerungshammer entdecken, halten die Erwachsenen meist Abstand.

Aber sie zücken hier oben im Zwehrenturm auffallend häufig ihre Fotoapparate und Handys, um einige Bilder zu machen. Denn das geschwungene Objekt, das in einem breiten Stahlrahmen eingefasst ist, besticht durch seine Ästhetik. So etwas Farbenfrohes und Beschwingtes würde sich wohl mancher documenta-Besucher gern ins Wohnzimmer stellen – wenn das Ding nur nicht mit einer Größe von sechs mal vier mal drei Metern so riesig wäre.

Wie ein Puzzle

Jan Schlüter, stellvertretender Chefredakteur der HNA

Es ist Bild und Skulptur zugleich. Mehrere Tafeln mit geschliffenen Flächen bilden wie ein großes Puzzle das Gesamtwerk. Einerseits ist es abstrakt, andererseits sind wie Intarsien verschiedene Gegenstände in die Platten eingelassen. Sie erinnern an Fundstücke, so wie man sie am Strand entdeckt. Überhaupt erinnern viele Bereiche an Wasserflächen. Alles wirkt lebendig, im Fluss, aber auch ungeordnet. „Uncomfortable objects“ (unbehagliche Objekte) hat die mexikanische Künstlerin ihr eigens für die d13 geschaffenes Werk genannt.

Die 38-Jahre alte Künstlerin lässt sich nur schwer einordnen. Vielfältig ist auch ihre Materialwahl: Gips, Steine, Stoff, Glas, Holz und Ton hat sie für ihr documenta-Kunstwerk verwendet, aber auch Farbstoffe und Muscheln.

Die in Europa lebende Künstlerin hat die im Zwehrenturm ausgestellte Plastik nach Angaben der documenta in einer Kunstgießerei im schweizerischen St. Gallen hergestellt. Castillo Deball sehe in ihr eine Ansammlung unbehaglicher Objekte.

Nicht einzuordnen

Es irritiert beim Betrachten der Plastik, vieles nicht kategorisieren zu können. Das Kunstwerk entzieht sich dem einfachen Zuordnen, aber es gefällt – Kindern wie Erwachsenen – mit seiner Vielseitigkeit, die in Farbe, Form und Material zum Ausdruck kommt. Wer sich Zeit nimmt, macht immer neue Entdeckungen.

Von Jan Schlüter

Quelle: mydocumenta

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