Akzent auf der Forschung

Dr. Birgit Jooss übernimmt am 1. Juli Leitung des documenta-Archivs

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Das ist sie: Birgit Jooss (links) wird als Leiterin des documenta-Archivs von Geschäftsführerin Annette Kulenkampff vorgestellt.

Kassel. „Ich bin sehr beeindruckt, wie viele Menschen hier sind, nur um mich kennenzulernen“, sagte Dr. Birgit Jooss. Sie übernimmt am 1. Juli die Leitung des documenta-Archivs.

Die „ganze documenta-Familie“, so documenta-Geschäftsführerin Annette Kulenkampff, war gestern in die documenta-Halle gekommen, um zu erfahren, wer die Leitung des documenta-Archivs übernehmen wird: neben Journalisten auch viele Angehörige der Kasseler Kulturszene und documenta-Anhänger.

Jooss leitete von 2007 bis 2015 das Deutsche Kunstarchiv im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Als „große Ehre und spannende Herausforderung“ betrachtet die promovierte Kunsthistorikerin ihre neue Aufgabe ab 1. Juli. Es freue sie besonders, dass das Archiv in seiner künftigen Ausrichtung als documenta-Institut nicht nur Dienstleister und Service-Einrichtung sein solle, sondern einen starken Akzent auf die Wissenschaft legen und einen Beitrag zur Forschung leisten solle - und das in enger Zusammenarbeit mit der Kunsthochschule.

Ihre ersten Schritte nach den Gesprächen mit Mitarbeitern und documenta-Experten vor Ort - Ausbau der Infrastruktur, Erweiterung des Teams - würden öffentlich womöglich noch wenig wahrgenommen, sagte Jooss. Langfristig plane sie aber Vortragsreihen, Ausstellungen, eine verbesserte Webseite und eine stärkere digitale Präsenz. Wenn Archivmaterial im Internet einsehbar sei, erzeuge das gerade Neugier: „Archivalien haben eine gewisse Aura. Die Menschen wollen sie im Original sehen.“

Dass sich das documenta-Archiv, das seit 1. Januar unter dem Dach der documenta gGmbH seine Finanzierung verdoppelt hat, in der Außendarstellung stärker profilieren muss, daran ließen auch Oberbürgermeister Bertram Hilgen und der hessische Kunstminister Boris Rhein keine Zweifel. „Der Aufsichtsrat war sehr angetan von dem, was Dr. Birgit Jooss vorhat“, berichtete Hilgen: „Wir sind ein gutes Stück weiter.“ Rhein sagte, um die documenta zwischen den Ausstellungen im Fünfjahres-Rhythmus erlebbarer zu machen, bedürfe es einer „selbstbewussten Führung“ des Archivs.

Wie angesichts der Raumnot im Dock 4 Abhilfe geschaffen werden soll, dazu gab es gestern nichts Neues. Kulenkampff hofft auf einen „irgendwie gearteten Neubau“ zwischen 2017 und 2021. „Das Problem ist erkannt“, sagte Hilgen, „die Frage steht ganz oben auf der Agenda.“ „Wir sind in engen, sehr freundschaftlichen Gesprächen“, ergänzte Rhein.

Das documenta-Archiv

Seit Jahresbeginn wurde das 1961 als städtische Einrichtung gegründete documenta-Archiv der documenta und Museum Fridericianum gGmbH zugeordnet, die von Stadt und Land Hessen je zur Hälfte getragen wird. Damit hat sich der Etat von 500 000 auf eine Million Euro verdoppelt.

Das im Dock 4 beherbergte Archiv beherbergt 1,4 Mio. Archivalien zur documenta, darunter 265 000 Zeitungsausschnitte, 60 000 Fotos und 5000 Film- und Audiobestände, sowie eine hervorragende Bibliothek zur Gegenwartskunst mit 100 000 Bänden, davon 70 000 Kataloge. Auch mehrere Nachlässe, darunter von Arnold Bode, werden bewahrt und aufgearbeitet.

www.documentaarchiv.de

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