Blick zurück mit Nostalgie

Kasseler Filmemacherinnen drehten auf der documenta 13

Ungewöhnliche Kunst-Begegnung: Ein chinesischer documenta-Besucher mit den Hunden Human und Señor, die zu Pierre Huyghes Installation „Untilled“ in der Karlsaue gehörten - eine Szene aus dem Film „Arts Home is my Kassel“. Foto: nh

Kassel. Was hätten Journalisten für diese frühen Einblicke in die documenta 13 gegeben!

Susanne Heinz und Katrin Heinz, die beim Dokumentarfilm- und Videofest ihren 83-minütigen Film „Arts Home is my Kassel - 100 Tage documenta-Stadt“ präsentieren, waren schon im Vorfeld dicht dran. Sie begleiteten etwa den Kasseler Architekten Markus Harnisch, wie er die Errichtung der Holzhäuschen in der Karlsaue überwacht. Für sein Büro war die documenta eine „Monster-Veranstaltung“.

Kompiliert haben die Filmemacherinnen Impressionen aus wechselnden Blickwinkeln: vom Worldly Companion über Besucher und Zaungäste bis zu Schreiner Frank Baum, der Mark Dions Kabinett für die Holzbibliothek im Naturkundemuseum baut. Restauratorin Julia Steves wundert sich, wie viele Leute Kunst anfassen wollen, sie muss Tacita Deans Zeichnungen im ehemaligen Finanzamt erneuern. Taxifahrerin Jutta Rudolph erzählt, dass ihre Fahrgäste Baustellen viel mehr aufregen als die Kunst. Viel Raum bekommen Selbstdarsteller, die den Friedrichsplatz als Bühne nutzen.

All das sieht man im Jahr eins nach der documenta durchaus mit Nostalgie, so etwas wie eine These oder eine stringente Erzählung entwickelt das anekdotische Potpourri zumindest in der uns vorliegenden Rohschnittfassung nicht. Manche Einstellungen irritieren, weil sie in der Luft hängen, die Schlussperformance ist auf den Eröffnungstag datiert, Fehler bei Künstlernamen und Werkbezeichnungen sind peinlich.

In einer Szene sagt Künstler Sam Durant, seine Galgen-Konstruktion sei in einer US-Großstadt undenkbar - zu provokativ. Companion Rui Yin diskutiert mit Chinesen über die Todesstrafe. Da wird es auf einmal richtig spannend, ist zu spüren, wie die documenta Gewissheiten in Zweifel zieht, Fragen aufwirft, etwas in Bewegung bringt.

„Arts Home is my Kassel“, Freitag, 14.30 Uhr, Gloria.

Von Mark-Christian von Busse

Quelle: mydocumenta

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