Bouffier: Stolz auf die documenta - Preis für alle Ausstellungsleiter

Ehrung in festlichem Ambiente: Carolyn Christov-Bakargiev, Rudi Fuchs (vorn), hinter ihnen Okwui Enwezor, am Tisch Fridericianum-Leiterin Susanne Pfeffer, dahinter Verleger Klaus Siebenhaar. Fotos:  Koch

Kassel. Ministerpräsident Volker Bouffier hat am Freitagabend den Hessischen Kulturpreis an die Leiter sämtlicher documenta-Ausstellungen verliehen. Es wurde ein langer Abend.

Es war ein festlicher Rahmen, vor allem aber auch eine Art documenta-Familientreffen: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hat am Freitagabend in der Alten Brüderkirche die Leiter der früheren documenta-Ausstellungen mit dem mit 45 000 Euro dotierten Hessischen Kulturpreis geehrt.

Bis die Repräsentanten aus Kultur, Politik, Justiz, Kirche und Wirtschaft den Kalbstafelspitz an grüner Soße und Bouillonkartoffeln erhielten, dauerte es bis nach 22 Uhr. Es brauchte seine Zeit, bis Bouffier nach einem verspäteten Beginn für alle documenta-Kuratoren – von denen drei, Arnold Bode, Harald Szeemann und Jan Hoet, posthum ausgezeichnet wurden – skizziert hatte, wie sie der documenta jeweils ihren „bleibenden Stempel aufgedrückt“ hatten, angefangen mit Bodes ungeheurem Anspruch, seiner Leidenschaft und „seherischen Kraft“. „Diese weltweit größte Schau zeitgenössischer Kunst mag uns stolz machen“, sagte Bouffier.

Er zeichnete im einzelnen aus: E. R. Nele für ihren Vater, documenta-Gründer Arnold Bode (d1-4), Ingeborg Lüscher, Witwe von d5-Leiter Harald Szeemann, Manfred Schneckenburger (d 6 und 8), Rudi Fuchs (d7), Liliane Hoet-De Boever, Witwe von Jan Hoet (dIX), Catherine David (dX), Okwui Enwezor (D11), M. Buergel (documenta 12) und Carolyn Christov-Bakargiev (d13).

Gespräch am Rande: Roger M. Buergel (links) und Adam Szymczyk.

Bouffier ging auch auf das Motto der hessischen Bundesratspräsidentschaft in diesem Jahr, „Grenzen überwinden“, ein. Alle künstlerischen Leiter hätten die documenta zu einem Ort des Austausches gemacht, an dem Menschen aus der ganzen Welt zusammengeführt würden: „Die documenta steht für eine freiheitliche Gesellschaft.“ Am Morgen hatte der Ministerpräsident den Hessischen Friedenspreis an Soldatenmütter aus St. Petersburg vergeben. Bouffier nahm Bezug auf diese Verleihung: „Souveräne Gesellschaften und Staaten ertragen auch Widerspruch.“

Ein Beispiel solchen Widerspruchs gab Carolyn Christov-Bakargiev, die in ihren Dankesworten nicht nur an Adam Szymczyk gute Wünsche für seine documenta 14 richtete und an ihn „die Fackel weitergab“, sondern die Haltung der deutschen Regierung gegenüber Griechenland vehement und leidenschaftlich als einen Anschlag auf die Menschenwürde kritisierte. Das große Projekt Europa sei beinahe auf Grund gelaufen, beklagte Christov-Bakargiev. Auch andere documenta-Leiter fanden Worte des Dankes. Okwui Enwezor würdigte Arnold Bodes Pioniergeist nur zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, Rudi Fuchs den Geist der documenta, Catherine David schloss sich an.

Dann war Zeit für Gespräche der 150 Ehrengäste, zu denen viele langjährige Weggefährten und Team-Mitglieder der documenta wie Ex-Geschäftsführer Bernd Leifeld und Dirk Schwarze (documenta Forum), Enwezors Pressesprecher Markus Müller oder Roger M. Buergels Ko-Kuratorin Ruth Noack zählten, aber auch Künstler wie Horst Hoheisel, Tino Sehgal, Christian Philipp Müller und Stephan Balkenhol.

documenta feiert 60. Geburtstag: Kulturpreis für alle Leiter

Der Hessische Kulturpreis

Der Hessische Kulturpreis wurde zum 33. Mal verliehen. Die Liste früherer Preisträger reicht von Marcel Reich-Ranicki, Jürgen Habermas und Volker Schlöndorff bis zu Til Schweiger. Auch der ehemalige Leiter der Kunsthalle Fridericianum, René Block, das Kindertheaterbürooo Kassel (Stefan Becker, Günter Staniewski), der in Kassel lehrende Designer Gunter Rambow, E. R. Nele sowie der aus Heinebach stammende Fotograf F. C. Gundlach haben den Preis bekommen. 2014 wurde Peter Härtling ausgezeichnet.

Dem Kuratorium gehören an: Ministerpräsident Volker Bouffier, Minister Boris Rhein, Architekt Jürgen Engel (Frankfurt), Susanne Gaensheimer, Direktorin des Museums für Moderne Kunst Frankfurt, Michael Herrmann, Intendant des Rheingau Musik-Festivals, Ex-documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld, Schauspieler Michael Quast, Hans Sarkowicz, Ressortleiter bei hr2, FAZ-Theaterkritiker Gerhard Stadelmaier und Prof. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt. 

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