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Campingplatz Kassel: Die Hälfte der Gäste ist wegen der documenta da

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Von: Ulrike Pflüger-Scherb

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Vera und Wolfgang Gierling (von links) sowie Clemens und Eva Volmer mit Fahrrädern auf dem Campingplatz Kassel.
Kölner begeistert von Kassel: (von links) Vera und Wolfgang Gierling sowie Clemens und Eva Volmer fahren mit dem Rad vom Campingplatz zu den verschiedenen Ausstellungsorten der d 15. © Andreas Fischer

Rund 50 Prozent der Gäste, die sich derzeit auf dem Kasseler Campingplatz an der Fulda aufhalten, sind in die Stadt gekommen, um die documenta fifteen zu besuchen.

Kassel – Das ist die Einschätzung von Hubert Henselmann von Kassel Marketing, Betreiberin des Platzes. Bislang habe es nur positive Rückmeldungen der Camper über die Kunstausstellung gegeben. Wir haben uns auf dem Platz umgeschaut und sind mit Gästen ins Gespräch gekommen.

Warum sind viel Infotafeln unterhalb der Kunstwerke angebracht, damit man sie nur in gebückter Haltung lesen kann? Warum sind einige Erklärungen in den Ausstellungsräumen der documenta nur in englischer Sprache vorhanden? Das sind zwei Fragen, die Clemens Volmer aus Köln hat. Mit seiner Frau Eva und den Freunden Vera und Wolfgang Gierling besucht er in diesem Jahr zum allerersten Mal eine documenta in Kassel. Bis auf diese zwei kritischen Anmerkungen sind die vier Kölner bislang begeistert von der Ausstellung. Das Fridericianum und das Ottoneum haben sie schon angeschaut.

„Die documenta ist ein Muss“, sagt Volmer. „Ich bedauere, dass ich vorher noch nie da war.“ Die beiden Paare übernachten auf dem Kasseler Campingplatz an der Fulda. Die Volmers im Wohnmobil, die Gierlings haben ein Zelt dabei. Mit den Rädern haben die Paare die Stadt erkundet. „So etwas habe ich nicht erwartet. Kassel ist eine tolle Stadt“, sagt Vera Gierling. Auf dem Königsplatz hätten sie mit einem Mann aus Kassel geredet, der die ganze Zeit nur über den Platz geschimpft habe, erzählen die Kölner. „Kommen Sie mal nach Köln. Da gibt es Plätze, die kann man gar nicht anschauen, haben wir zu dem Mann gesagt“, so Volmer.

Aktuell sind die 100 Parzellen des Kasseler Campingplatzes, der von Kassel Marketing betrieben wird, alle belegt. Hubert Henselmann von Kassel Marketing schätzt, dass von den rund 250 Gästen die Hälfte wegen der documenta nach Kassel gekommen ist.

Britta und Winfried Schiffer aus Rheinberg am Niederrhein auf dem Campingplatz Kassel.
Zum ersten Mal auf der documenta in Kassel: Britta und Winfried Schiffer aus Rheinberg am Niederrhein. © Andreas Fischer

Wegen der großen Nachfrage bietet Kassel Marketing in diesem Sommer auch an, dass man sein Zelt auf die Wiese neben dem Campingplatz aufbauen kann. Das haben die Brüder Bon und Riel Berenbroek, die mit ihren Familien aus Holland angereist sind, gemacht. Gestern Vormittag frühstücken sie zu siebt gemeinsam am Fuldaufer, bevor sie zur documenta aufbrechen.

Sie habe viel Kritisches im Vorfeld über die d 15 gehört und gelesen, erzählt Thea Teunissen, die bereits fünf Mal bei einer documenta war, zum ersten Mal vor 40 Jahren. „Aber wir sind gekommen, um uns einen eigenen Eindruck zu machen.“

Für Britta und Winfried Schiffer aus Rheinberg am Niederrhein ist es das erste Mal, dass sie die documenta besuchen. „Wir haben jetzt Zeit, weil wir Halbrentner sind. Zudem haben wir ein Wohnmobil“, sagt Winfried Schiffer. Das, was er bislang von der Ausstellung in der documenta-Halle und im Fridericianum gesehen hat, habe ihm „super gefallen“.

Sie besuchen Kassel regelmäßig: Klaus und Monika Schinzer aus Gummersbach haben dieses Mal Hund Nico dabei. Die d 15 empfindet das Paar als zu politisch.
Sie besuchen Kassel regelmäßig: Klaus und Monika Schinzer aus Gummersbach haben dieses Mal Hund Nico dabei. Die d 15 empfindet das Paar als zu politisch. © Fischer, Andreas

Auch von dem Campingplatz in Kassel sind die Schiffers begeistert. „Ein freundlicher Empfang und alles ist perfekt sauber. Besser geht nicht“, sagt Winfried Schiffer.

Wegen der documenta sind auch Monika und Klaus Schinzer aus Gummersbach nach Kassel gekommen. Klaus Schinzer ist in Kassel geboren und hat die ersten Jahre in der Stadt verbracht. Den 72-Jährigen zieht es immer wieder in die Heimat zurück. In diesem Jahr haben seine Frau und er sich aber nur die Außenkunstwerke angesehen. Er sei zwar nur ein Laie in Sachen Kunst, aber die d 15 sei ihm zu politisch. Damit könne er nichts anfangen. Begeistert habe ihn 1977 hingegen die Honigpumpe von Joseph Beuys, sagt Schinzer. Apropos Begeisterung - „Kassel gefällt mir immer besser. Wenn ich noch jünger wäre, würde ich überlegen, ob wir nicht wieder nach Kassel übersiedeln.“ (use)

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