Darum heißt der Obelisk auf dem Königsplatz "War noch Zement da"

Comedian G. von Bamberg: Die documenta führt Kassel in die Sackgasse

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Er sieht die Kunst mit anderen Augen: Comedian G. von Bamberg vor einer Projektion der Röhren von Hiwa K.

Die documenta 14 ist ganz schön ernst. Wie gut, dass es den Comedian G. von Bamberg gibt, der alle zwei Wochen im Kasseler Palais Hopp die Kunst auf seine Weise erklärt.

Um ein Haar hätte es eines der beliebtesten Kunstwerke der documenta 14 nicht gegeben. Denn der Obelisk des Nigerianers Olu Oguibe auf dem Königsplatz heißt gar nicht "Das Fremdlinge und Flüchtlinge Monument", sondern "War noch Zement da". Das erfährt man leider nicht im Katalog der Weltkunstschau, sondern nur bei G. von Bamberg.

Als Museumswärter Harald Durchblick führt der Comedian, der eigentlich Gerrit Bamberger heißt, in seinem Varieté Palais Hopp regelmäßig durch die documenta. In seinem Programm "Was is das dann?" erklärt er, die künstlerische Leitung habe sich gefragt, was man mit dem Zement machen solle. Das Ergebnis: Ein Haus ohne Fenster auf dem Königsplatz, denn "da fällt es nicht auf" zwischen der anderen Bausünde namens City-Point und den Wasserspeiern, die wie "einbetonierte Nasenbären" aussehen. Das sei Kassel, sagt Durchblick alias Bamberger im breitesten Nordhessisch: "Mit uns kann man es ja machen."

75 Minuten lang machte sich 42-Jährige lustig über die Kunstwelt, was gar nicht so einfach ist. Für Comedians ist die documenta 14 das, was Donald Trump für Kabarettisten ist - die Wirklichkeit ist in beiden Fällen so komisch, dass man das schwer noch steigern kann. Dabei sieht der künstlerische Leiter Adam Szymczyk ja nicht wie ein Scherzkeks aus, sondern wie ein moderner Timm Thaler, der sein Lachen an den ehemaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis verkauft hat.

Bei der echten documenta gibt es Guides, die sich Choristen nennen und vor der Führung die Besucher erst einmal Yoga machen lassen. Bamberg würde mit seinen Zuhörern indes allenfalls einen Schoppen trinken. Er wirft Fotos von documenta-Werken an die Varieté-Wand und interpretiert sie auf seine Weise. Der Parthenon der verbotenen Bücher auf dem Friedrichsplatz ist für ihn die "Abofalle". Alle Zeitschriften, die Senioren versehentlich bestellt haben, sind dort eingetütet. 

Die verhüllte Torwache liegt nicht mehr an der Wilhelmshöher Allee, sondern an der Sackgasse. Und in einem anderen kryptischen Kunstwerk erkennt der "Geide", wie auf seiner Mütze steht, die roten Socken des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Das Werk sei also eine Allegorie auf die Niederlage.

Bei der Premiere Mitte Juni mussten die 80 Besucher viel lachen. Das Schöne ist: Bamberg macht sich nicht nur lustig. Seine Führung ist auch eine liebevolle Hommage an das Kunstspektakel, mit dem sich die Kasseler lange Zeit schwer taten.

Und wenn er sich vorstellt, wie der Obelisk auf dem Königsplatz in ein paar Jahren aussieht, "von Pennern voll geschifft" und mit Plakaten für Ü-30-Partys behängt, dann hat jeder die documenta-Treppe ins Nichts vor Augen, die einst zum Politikum wurde, ehe sie der Oberbürgermeister in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abreißen ließ.

Am Ende hat er für seine Gäste noch einen ernst gemeinten Rat: "Nehmen Sie Ihren Müll mit. Sonst stehen morgen Menschen davor und denken: Ach wie schön."

"Was is das dann? die etwas annere Dokumentaführung". Jeweils am Mittwochabend, 20 Uhr, und zwar am 26. Juli, 9. und 23. August sowie 6. und 20. September im Palais Hopp, Goethestraße 29-31.

Zudem gibt es am Dienstag, 25. Juli, wieder eine Comedy-Live-Führung mit G. von Bamberg. Start ist um 19 Uhr am Himmelsstürmer vor dem Kulturbahnhof. Von dort geht es zu den lustigsten Außenkunstwerken der d14. Karten für 15 Euro gibt es im Palais Hopp.

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