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Comiczeichner Nino Bulling will auf der documenta Trost spenden

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Von: Stefanie Lipfert

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Geschichte von Liebe und Geschlecht: die Graphic Novel „abfackeln“ von Nino Bulling.
Geschichte von Liebe und Geschlecht: die Graphic Novel „abfackeln“ von Nino Bulling. © : Nino Bulling/Edition Moderne

Zwischen dem Finden der eigenen Geschlechtsidentität, Liebe und dem Klimawandel befindet sich die raumübergreifende Installation von Nino Bulling in der Hafenstraße 76.

Der Comiczeichner zeigt hier auf Seide gemalte Erweiterungen seiner jüngsten Graphic Novel „abfackeln“, die diese Themen auf einfühlsame Art und Weise anhand zweier Figuren erzählt. Im Interview erzählt Bulling davon, was er mit der Graphic Novel erreichen möchte und wie es sich für ihn anfühlt, auf der documenta fifteen auszustellen.

Für die documenta fifteen haben Sie die Bilder ihrer Graphic Novel erweitert und auf Seide gebracht. Wie sind Sie dazu gekommen?

Als ich angefangen habe, die Ausstellung zu konzipieren, habe ich viel darüber nachgedacht, was das Verhältnis zwischen dem Raum und dem Buch sein soll. Ich habe mich dagegen entschieden, im Ausstellungsraum Nachdrucke aus dem Buch sowie Originalzeichnungen zu zeigen, weil mein Werk „abfackeln“ als Objekt die finale Form ist. Das Buch ist genauso, wie ich es haben will und ich bin der Meinung, dass man es lesen soll. Ich habe versucht, die Emotionalität, die Stimmung und die Atmosphäre von „abfackeln“ in den Raum zu übertragen. Wenn man den Raum begeht, soll das Gefühl entstehen, das aufkommt, wenn man die Graphic Novel liest.

Was bedeutet es für Sie, Ihre Werke auf der documenta präsentieren zu können?

Ich freue mich sehr über die Gelegenheit, meine Werke vorzustellen. Doch ich habe auch versucht, die Einladung zu nutzen, um meine eigene Arbeit und die der anderen Künstler zu stärken, mit denen ich mich verbunden fühle. Ich möchte sowohl die Infrastruktur, als auch die vielen Verbindungen präsentieren, die durch die Kollektive entstanden sind. Das verkörpert Lumbung.

In „abfackeln“ geht es um persönliche Themen wie Identität, Akzeptanz und Liebe. Wie viel von Ihnen steckt in der Geschichte?

In meinem Buch erkennt man einen kollektiven Erfahrungsschatz. Es sind keine eins zu eins Erfahrungen. Aber es sind wie immer beim Schreiben Dialoge oder Ideen und Anekdoten darin eingeflossen, die unter Umständen passiert sind.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, die Geschichte als Graphic Novel zu erzählen?

Zum einen ist das Medium Graphic Novel sehr flexibel und man braucht nicht viele Produktionsmittel oder viel Geld für die Herstellung. Ich habe mich schon immer für Literatur interessiert, dann aber Kunst studiert. Im Comic fließen diese beiden Interessen von mir ineinander. Das Schöne ist, dass die Kommunikationsmöglichkeiten von Wort und Bild endlos sind. Es ist toll, die Formsprache des Comics zu nutzen, aber damit andere Erzählweisen zu schaffen.

Was wollten Sie mit „abfackeln“ erreichen?

Mit dem Buch wollte ich etwas schaffen, das anderen trans- und queeren Personen Freude macht und Trost spendet. Es steckt voller kleiner Momente der Schönheit, Ausgelassenheit und Ruhe. Politisch habe ich versucht, das Coming-out von Transpersonen im klassischen Sinne zu dekonstruieren. Ich habe Figuren in den Fokus gestellt, die sich in so einem Moment befinden. Es herrscht das reine Unbehagen.

Ist Ihr Buch ein Akt des Protests gegen Heteronormativität?

Ich hab das Buch in dem Wissen geschrieben, dass es von vielen Cis- und Heteropersonen gelesen wird. Mir war immer bewusst, dass es durch seine bloße Existenz auch als Statement in der cis- und heterodominierten Gesellschaft gelesen wird.  (mit lkr)

Nino Bulling: abfackeln. Edition Moderne, 160 Seiten, 24 Euro.

Nino Bulling (35) ist ein Comiczeichner und Illustrator aus Berlin. Er studierte an der Hochschule für Kunst und Design in Halle (Saale). Seine neuste und umfassendste Graphic Novel „abfackeln“ ist mit Unterstützung der documenta erschienen. Sie thematisiert Fragen von Geschlecht und Körper vor dem Hintergrund des Klimawandels. Bei der d15 zeigt Bulling Erweiterungen auf Seide. Er möchte zudem eine Gewerkschaft für Comic-Kunstschaffende gründen. Foto: Stefanie Lipfert

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