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Das bleibt von den schwimmenden Gärten der documenta

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Von: Axel Schwarz

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Kurze Visite bei ihrem d15-Beitrag: Die slowakische Künstlerin Ilona Németh (vorn Mitte) mit Vertreterinnen des Welterbe-Vereins: Links Eleonora Lerner, die dolmetschte, rechts die Vorsitzende Brigitte Bergholter vor den „Floating Gardens“.
Kurze Visite bei ihrem d15-Beitrag: Die slowakische Künstlerin Ilona Németh (vorn Mitte) mit Vertreterinnen des Welterbe-Vereins: Links Eleonora Lerner, die dolmetschte, rechts die Vorsitzende Brigitte Bergholter vor den „Floating Gardens“. © Axel Schwarz

Einen Talk mit documenta-Künstlerin Ilona Németh über Landschaftskunst hat der Kasseler Verein „Bürger für das Welterbe“ organisiert. Dabei ging es auch um die Perspektive ihrer „Floating Gardens“ auf der Fulda.

Kassel – Man bestaunt sie vom Auedamm aus am Fuldaufer gegenüber, man nähert sich ihnen am stillen Randbereich des trubeligen Ahoi-Biergartens: Die beiden schwimmenden Gärten der slowakischen Künstlerin Ilona Németh verbreiten eine meditative Stimmung und gehören zu den faszinierendsten Arbeiten der documenta fifteen. Dass die beiden begrünten Kunststoffinseln auf Dauer einen Ankerplatz in Kassel finden könnten, dafür gibt es bislang keine erkennbaren Absichten.

Es sei noch niemand an sie herangetreten, sagte Németh am Freitag vor Ort. Mit der Künstlerin hatte der Verein „Bürger für das Welterbe“, der sich für die Gartenkultur im Bergpark Wilhelmshöhe engagiert, eine kleine Talk-Runde organisiert. Dabei ging es darum, was kontrollierte Natur ausmacht, welche Mittel und Grenzen der Mensch für deren Gestaltung hat.

Németh machte klar, dass ihr mehr am Konzept als am grünen Medium ihrer Kunst gelegen sei. Schon vor elf Jahren hatte sie ihre Schwimm-Inseln in Budapest gezeigt, damals planvoll akkurat bepflanzt im Stil einer englischen und einer französischen Gartenanlage. Inzwischen aber sei viel passiert, die Umwelt- und Klimafrage in den Vordergrund gerückt: „Damals ging es um den Menschen, heute stärker um das Verhältnis zwischen Mensch und Natur.“

Zur d15 zeigt Németh aktuell einen „Healing Garden“ mit Kräutern und Gemüsesorten, die wechselseitig voneinander profitieren. Die andere Insel, der „Future Garden“, enthält ein in Kassel ausgestochenes Stück Boden mit Vegetation, die sich bereits an den Klimawandel angepasst hat. Diesen Part betreuen und begleiten Forschende der Uni Kassel. Und dieses Stück Boden, so Németh, soll der Kasseler Landschaft nach der documenta auch wieder zurückgegeben werden.

Was können von diesem Blick auf die Natur jene lernen, die sich eher aus kulturell-ästhetischem Blickwinkel mit Gartenkultur beschäftigen? Der Bergpark im Weltkulturerbe Wilhelmshöhe ist seit Jahrhunderten von menschlichem Gestaltungswillen geformt und gleichwohl dem Wandel der Umwelt- und Klimabedingungen ausgesetzt. Auf derlei Fragen aus der Publikumsrunde ermunterte Ilona Németh: „Es liegt an Ihnen, dort einige Stellen auszusparen, wo zeitgenössisches Denken zum Tragen kommen kann“.

Ein wichtiger Anstoß, resümierte Vorsitzende Brigitte Bergholter vom Welterbe-Verein. Und vielleicht ein Ansatzpunkt, mit dem man Némeths schwimmende grüne Inseln ein wenig länger in Kassel halten oder dort wiedersehen könnte. Dass man sie noch einmal temporär auf einem der Teiche im Bergpark zeigt, wie aus der Publikumsrunde angeregt, kann sich die Künstlerin jedenfalls vorstellen.

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