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Kasseler SPD überrascht mit documenta-Plan: Steigt das MoMa bei Kunstschau ein?

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Von: Matthias Lohr

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Steigt das MoMa bei der documenta ein? Die Kasseler SPD wünscht sich eine „Institution mit internationaler Reputation im Bereich moderner Kunst“ als zusätzlichen Gesellschafter der documenta. Unser Bild zeigt das New Yorker Museum of Modern Art.
Steigt das MoMa bei der documenta ein? Die Kasseler SPD wünscht sich eine „Institution mit internationaler Reputation im Bereich moderner Kunst“ als zusätzlichen Gesellschafter der documenta. Unser Bild zeigt das New Yorker Museum of Modern Art. © Peter Foley/EPA/dpa

Auf einem historischen Parteitag verabschiedete sich die Kasseler SPD nicht nur vom Delegiertenprinzip. Sie überraschte auch mit einem Plan für die documenta.

Kassel – Für Rosa-Maria Hamacher war der Unterbezirksparteitag der Kasseler SPD ein „kleiner historischer Moment“, wie sie sagte. Als die stellvertretende Vorsitzende am Samstag im Philipp-Scheidemann-Haus die Abstimmung über eine Satzungsänderung anmoderierte, prophezeite sie: „So kommen wir nicht mehr zusammen.“ Danach verabschiedeten sich die Sozialdemokraten vom Delegiertenprinzip. Historisch könnte der Parteitag später aber auch einmal im Hinblick auf die documenta genannt werden.

Die mehr als 100 Delegierten verabschiedeten eine Resolution zur Kunstschau, die wegen eines Antisemitismus-Eklats in eine tiefe Krise geraten ist. Der Text unterstützt Oberbürgermeister Christian Geselle, der zuletzt Forderungen von Bund und Land nach mehr Einfluss kritisiert hatte. Kulturstaatsministerin Claudia Roth erhält darin den Hinweis, „dass sie sich mit ihrem (dünnen) Scheckheft nicht in die documenta einkaufen kann“. Dass die hessische Kunstministerin Angela Dorn mit ihrer Parteikollegin hinter dem Rücken der Stadt über eine Veränderung der Gesellschafter verhandele, sei „ein unerhörter Vorgang“.

Und dann machen die Sozialdemokraten den Vorschlag, die finanzielle Förderung zu überdenken und zusätzlich zu Stadt und Land „eine Institution mit internationaler Reputation im Bereich moderner Kunst als Gesellschafter“ zu gewinnen. So eine Institution könnte etwa das New Yorker MoMa oder die Tate Modern in London sein, wie Parteichef Ron-Hendrik Hechelmann am Rande sagte.

Das alles sind nur erste Gedankenspiele, aber es klingt revolutionär: Eines der wichtigsten Museen der Welt könnte sich an der immer noch bedeutendsten Kunstschau des Globus beteiligen.

Auch der ehemalige Oberbürgermeister Bertram Hilgen war in seiner Rede auf die documenta-Kritiker in Berlin und Wiesbaden eingegangen. Dort würde man vergessen, dass Kasseler Herzblut Teil der Identität der documenta sei.

Die Landtagsabgeordnete Esther Kalveram erklärte, dass „wir keine Nachhilfe aus Wiesbaden brauchen“. Boris Rhein nannte sie den „südhessischen Ministerpräsidenten“. Und auch Oberbürgermeister Geselle erhielt viel Beifall für seine Rede. Nicht nur der Stadtverordnete Norbert Sprafke hatte den Eindruck, dass auf dem Parteitag „eine sehr harmonische Stimmung“ herrschte.

Vor einem Monat hatten die Grünen die Koalition mit der SPD vorzeitig beendet – vor allem wegen Geselle, wie sie immer wieder betonen. Sozialdemokrat Hechelmann, der mit dem Rad in die Nordstadt gekommen war, wie er betonte, hat dafür kein Verständnis: „Wer Verantwortung für die Stadt übernehmen will, kann nicht an 200 Meter Radweg den klimafreundlichsten Koalitionsvertrag aller Zeiten platzen lassen.“

Hitzig diskutiert wurde vor allem über die Satzungsänderung, die bereits seit acht Jahren Thema ist. Mit nur acht Gegenstimmen und einer Enthaltung wurde beschlossen, dass künftig jedes Mitglied zu Parteitagen kommen kann. Bislang waren diese Veranstaltungen ausschließlich für Delegierte.

Die SPD will zur Mitmach-Partei werden und sich für alle Mitglieder öffnen, wie es Hechelmann sagte. Das fanden nicht alle gut. Für Dieter Seidel etwa ist die neue Regel „nicht mehr Demokratie“, sondern „ein Stück das Zurückdrängen demokratischer Grundsätze“. Die Stärke der Partei sei die Verankerung in den Stadtteilen.

Dies soll ein verabschiedeter Kompromiss weiterhin sichern. So sollen auf den Listenplätzen etwa für das Stadtparlament Bewerber aus allen Ortsvereinen vertreten sein. Hintergrund: Manche Ortsvereine wie im Kasseler Osten wollen sich bald zusammenschließen. Auch das dürfte historisch werden. (Matthias Lohr)

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