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Das Orakel der Karlsaue: Kasseler Kunststudentinnen legen Tarotkarten für Besucher

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Von: Anna-Laura Weyh

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Die Tarot-Fans mit den beiden Karten „Die Hohepriesterin“: (von links) Aleck Montoya und Ana Vera haben auch ihr Projekt nach der Karte benannt.
Die Tarot-Fans mit den beiden Karten „Die Hohepriesterin“: (von links) Aleck Montoya und Ana Vera haben auch ihr Projekt nach der Karte benannt. © anna weyh

Zwei Kunststudentinnen aus Kassel legen während der documenta Tarotkarten für Besucher der Weltkunstschau. Zu finden sind sie in der Karlsaue.

Kassel – In der Karlsaue, etwas versteckt unter drei alten Buchen, sitzen Aleck Montoya und Ana Vera auf einer Picknickdecke. Vor ihnen ausgebreitet liegen Tarotkarten. Die beiden Kasseler Kunststudentinnen verbringen jede freie Minute an ihrem Stammplatz, hier legen sie sich selbst, Freunden und Kommilitonen die Karten – und bis Ende September auch documenta-Besuchern.

„Die Leute können uns eine Frage stellen, und wir schauen, was die Karten dazu sagen“, erklärt Ana Vera ihr Hobby. Mit ihrer Veranstaltung „Ask the Oracle of the Aue“ sind die Stundentinnen Teil des ook-Kollektivs, das verschiedene Gruppen bündelt, darunter auch einige heimische aus Kassel. Sie bieten Tarotkarten-Lesungen bereits seit dem Beginn der documenta an. Mittlerweile kommen immer mehr Menschen zu ihnen in die Aue. „Wir haben etxra einen Ort gewählt, der nicht mittendrin liegt. So kommen nur Menschen zu uns, die auch wirklich da sein wollen“, sagt Aleck Montoya.

Die beiden Mexikanerinnen beschäftigen sich erst seit Anfang der Pandemie mit dem Kartenlegen. „Zusammen haben wir immer mehr darüber gelesen und waren begeistert“, sagt Ana Vera. Ihr Leben habe sich durch die Tarotkarten verändert. „Ins Positive“, wie die 31-Jährige betont. Das wollen die Studentinnen auch anderen ermöglichen. Sie sehen die Karten als Spiel. „Es spricht nicht die Rationalität an, sondern ist kreativ. Die Karten zeigen nicht die absolute Wahrheit, aber man kann seine eigene Situation dadurch interpretieren“, sagt Ana Vera. „Uns hilft es, Klarheit zu schaffen. Die Karten zeigen das, was man in sich trägt“, sagt die 32-jährige Aleck Montoya.

Beim Kartenlegen gibt es nur eine Regel: „Die gestellte Frage muss einem selbst sehr wichtig sein“, sagt sie. Und was interessiert die Menschen am meisten? „Oft bekommen wir Fragen über die Liebe und die Karriere gestellt“, sagen die Studentinnen. Für unseren Artikel legen sie vier Karten zu der Frage: Wie geht es mit der documenta fifteen weiter? Ein ernüchterndes „Oh“ ist die Reaktion von beiden auf die gezogenen Karten. Auf dem Boden liegen nebeneinander der Bube der Stäbe, der Bube der Kelche, die Drei der Stäbe und der Narr. Alle vier Karten stehen auf dem Kopf.

Die Zukunft der documenta fifteen: Diese vier Karten stehen absichtlich auf dem Kopf. So haben die Kunststudentinnen sie gezogen.
Die Zukunft der documenta fifteen: Diese vier Karten stehen absichtlich auf dem Kopf. So haben die Kunststudentinnen sie gezogen. © Weyh, Anna-Laura

„Die ersten beiden Karten stehen für schlechte Kommunikation, für inneren Schmerz und auch Wut“, sagt Ana Vera. „Buben sind auch immer ein Symbol für wenige Erfahrungen. Alles ist neu und herausfordernd. Es ist die Frage, ob wir offen dafür sind.“ Die Karte mit den drei Stäben zeige eigentlich einen offenen Blick für die Zukunft. „Aber auch diese Karte ist umgekehrt. Jeder sieht nur seine eigene Perspektive, nicht das kollektive Bild“, sagt Aleck Montoya. Und der umgekehrte Narr stehe für Hektik und Kontrollverlust. „Viele Dinge müssen ausgesprochen werden, aber niemand tut es“, bilanziert Ana Vera. „Die Karten passen immer.“

Tarot-Lesungen gibt es heute von 12 bis 15 Uhr in der Karlsaue, Infos zum genauen Standort finden Sie hier. Am 20. August legen die Stundentinnen außerdem Karten in der Freiluftküche neben der documenta-Halle. Eine kostenlose Lesung dauert etwa 15 Minuten.

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