Bettina Funcke leitet die Publikationsabteilung der documenta 13

Verantwortlich für die Publikationen der documenta 13: Bettina Funcke. Foto: von Busse

Kassel. „Es hat so geblitzt zwischen ihr und mir“, beschreibt Dr. Bettina Funcke ihre erste Begegnung mit Carolyn Christov-Bakargiev. 1999 war das, Jahre, bevor die amerikanische Kuratorin und Museumschefin mit der Leitung der documenta 13 betraut wurde.

„Wir haben intuitiv viel voneinander gewusst und verstanden“, ergänzt die 39-Jährige.

Die beiden blieben lose in Kontakt, man sah sich einmal im Jahr, und als die in Rom und New York lebende Christov-Bakargiev Funcke vor gut einem Jahr fragte, ob sie die Leitung der Publikationsabteilung für die documenta im Jahr 2012 übernehmen wollte, da war das „für eine Deutsche so eine Art Traumangebot“.

Bettina Funcke lebt ebenfalls in New York, sie spricht Deutsch und bringt jahrelange Erfahrung als Autorin, Redakteurin und Herausgeberin mit. Auch dass sie sich in ihrer Doktorarbeit (Titel: „Pop oder Populus. Kunst zwischen High und Low“) mit dem Spannungsfeld von zeitgenössischer Kunst zwischen Markt, Mainstream und Geschichte, zwischen Popularisierungsdruck der Massenkultur und Ansprüchen der Hochkultur beschäftigt hat, scheint wie eine Vorbereitung auf die documenta. Keine Großausstellung der Gegenwartskunst steht gleichermaßen im Schnittpunkt zwischen Erwartungen eines breiten Publikums wie einer Avantgarde mit teils extremen Positionen.

Hintergrund:

Bettina Funcke verantwortet für die documenta 13 den Kurzführer, den Katalog und einen Bildband. Gemeinsam mit Chus Martínez, einer „Agentin“ im documenta-Team, betreut sie auch die Herausgabe der Reihe „100 Notizen - 100 Gedanken“, deren erste Veröffentlichungen im März im Hatje Cantz Verlag erscheinen.

An Christov-Bakargiev schätzt Funcke, dass sie sich solchen Fragen sehr grundsätzlich stellt, dass sie historisch arbeitet und die documenta auf die eigene Geschichte hin befragt - inklusive der Überlegung, wie man solche Großausstellungen überhaupt noch sinnvoll angehen könne. Funcke erlebt die documenta-Leiterin als starke, furchtlose, neugierige und offene Persönlichkeit, die „nie stehen bleibt, wo sie gestern oder vor einem Jahr stand“. Es gebe immer einen Überraschungseffekt in der Beziehung zu Christov-Bakargiev. „Das ist prinzipiell anstrengend“, sagt Funcke, aber eine Herausforderung, die sie nicht schrecke.

Ihr imponiert auch, dass Christov-Bakargiev trotz zweier Kinder Karriere gemacht hat und dass sie wiederum junge Mütter wie sie an verantwortlicher Stelle in ihr Team beruft: „Ich bin nicht die Ausnahme.“

Von Mark-Christian von Busse

Zur Person:

„Moderne Kunst war immer schon präsent in meinem Leben“, sagt die in Münster geborene Bettina Funcke. Sie studierte an der neu gegründeten Hochschule für Gestaltung (HfG) Karlsruhe Philosophie und Kunstgeschichte - „der perfekte Kontext“, wegen eines intensiven Austauschs mit Künstlern wie Thomas Struth. Nach dem Magister-Abschluss ging Funcke auf eigene Faust nach New York, entdeckte Galerien und Museen. Sie machte ein Praktikum bei der 1974 gegründeten Dia Art Foundation, ehe sie („Ich bin dann hängen geblieben“) Redakteurin für die Publikationen dieser Stiftung mit ständiger Ausstellung wurde. Ihre parallele Promotion in Karlsruhe betreuten Peter Sloterdijk und Boris Groys. Erstmals Kontakt zu Carolyn Christov-Bakargiev hatte die 39-Jährige über das erste Internet-Forum für Kuratoren, „The Union of the Imaginary (Voti“). Funcke schrieb für Kataloge und Zeitschriften wie „Artforum“ und „Texte zur Kunst“. Zuletzt war sie leitende Redakteurin der US-Ausgabe der Zeitschrift „Parkett“ und Mitgründerin von The Leopard Press. Funcke ist verheiratet und Mutter einer Tochter.

Quelle: mydocumenta

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