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Der aus Kassel stammende Musiker Heinz Klein lebt seit 1986 in Kanada

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Von: Amir Selim

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In seinem Element: Heinz Klein auf einer Bühne am documenta-Standort Sandershaus/Haferkakaofabrik mit seiner Gitarre.
In seinem Element: Heinz Klein auf einer Bühne am documenta-Standort Sandershaus/Haferkakaofabrik mit seiner Gitarre. © Amir Selim

Die documenta bringt internationale Gäste nach Kassel. Aber auch ehemalige Kasseler sind während der Kunstausstellung in ihrer Heimat. So auch der in Kanada lebende Heinz Klein.

Kassel - Der 69-jährige Musiker lebt seit 1986 in Toronto in Kanada und ist derzeit für mehrere Monate in der Stadt. Er erzählt von seinem Leben, das er der Musik widmet.

Schon früh entdeckt Klein seine Liebe zur Musik. Sein erster Konzertbesuch sei bei der Band Grobschnitt gewesen. Der sogenannte Kraut-rock habe ihn begeistert. Auch Musiker wie Hannes Wader, Wolfgang Ambros oder jene von BAP schätzt Klein. Deren Lieder habe er ins Englische übersetzt. In Kanada seien sie nicht bekannt. Durch die Einflüsse dort verortet sich Klein stilistisch beim Nordamerikanischen Folkrock.

Hauptsächlich spielt er selbst geschriebene Lieder. Mit der Musik möchte Klein Menschen ansprechen: „Ich bin Zeitzeuge durch die Musik.“ Egal, ob es um Menschen geht, die auf der Straße leben oder Auseinandersetzungen mit der Polizei haben: Klein spricht sie in seinen Texten an. „Ich sehe das und schreibe Lieder darüber. Das gibt den Leuten das Verständnis“, sagt der Musiker. „Etwas Besseres hinterlassen als das, was da ist. Das sollte Kultur bringen.“

1986 ging es nach Toronto

Seit 1986 lebt Klein in Toronto. „Damals war es einfach, rüberzukommen“, erklärt er. Um seinen Traum verwirklichen zu können, hauptsächlich Musik zu machen, brachte sich Klein bei der Gemeinde vor Ort ein, um sich finanziell über Wasser zu halten. So war er zeitweise leitender Mechaniker einer Fahrradwerkstatt. In den 1990er-Jahren begann er zudem am Theater. Von Musik bis zu Regie habe er alles mal gemacht, sagt Klein. „Learning by doing“ ist sein Motto. Eines der ersten inklusiven Stücke, das auch blinde und taube Menschen berücksichtigte, sei damals entstanden.

Der gebürtige Schwabe musste während seiner Kindheit mit seinen Eltern und den vier Geschwistern oft umziehen. So habe die Familie in Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Nordrhein-Westfalen und schließlich in Hessen gewohnt. Insgesamt 16 mal seien sie umgezogen. In Kassel machte Klein seinen Schulabschluss an der Friedrich-List-Schule. Seine beiden Schwestern und ihre Kinder leben noch immer in Kassel.

Nach einer Ausbildung zum Automobilkaufmann verpflichtete sich Klein für acht Jahre bei der Bundeswehr. Dort habe er einen Großteil der Zeit bei der Marine verbracht. „Norwegen, Schottland, Irland und Nato-Manöver. Ich habe alles mitgemacht.“ Bei der Bundeswehr lernte er auch, Gitarre zu spielen. „Elf Akkorde wurden mir beigebracht.“ Nach zwei Monaten konnte er Lieder spielen. An das erste erinnert er sich noch: „Nights in White Satin“ von „The Moody Blues“, sagt Klein.

Zum 70. Geburstag will er die „rockumenta“ veranstalten

Heutzutage lebt Klein vornehmlich von seiner Musik. Vor seinem 70. Geburtstag möchte Klein in Toronto die „rockumenta“ veranstalten. Angelehnt an Joseph Beuys, der bei der documenta sieben 7000 Eichen in Kassel pflanzte, möchte Klein handeln. 7000 Samen sollen in Toronto eingepflanzt werden. Drum herum soll dann ein Festival stattfinden, auf dem Musik, Poesie und Kunst ihren Platz haben. Er könnte sich vorstellen, das Festival dann auch in Kassel zu veranstalten.

Derzeit spielt Klein an verschiedenen Orten in Kassel Musik. Jeden zweiten Donnerstag tritt er bei der Braumanufaktur Steckenpferd mit anderen Musikern auf. Anzutreffen und zu hören ist er auch regelmäßig im Sandershaus in Bettenhausen, wo er während seines Aufenthalts wohnt. (Amir Selim)

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