Sperrung einer Fahrspur während Ausstellung nötig

Weinbergbunker als Ausstellungsort: documenta will zwei Stollen bespielen

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Hier soll die Kunst einziehen: Die documenta will in zwei Bereichen des verzweigten Stollensystems Kunst zeigen. Dazu werden vier bestehende Eingänge geöffnet. An der Substanz des Bunkers wird nichts verändert, betont die documenta.

Kassel. Greift die documenta massiv in den fast 200 Jahre alten Weinbergbunker ein? Entsprechende Gerüchte ängstigen Freunde der historischen Stollenanlage unter dem Weinberg.

Wie berichtet, will die documenta die unterirdische Anlage, die im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker genutzt wurde, ab 9. Juni für 100 Tage zum Ausstellungsort machen.

Auf einer Seite von Freunden des Bunkers im sozialen Netzwerk Facebook heißt es, dass dafür aufwendige Umbauarbeiten geplant seien und der Stollen erweitert werden müsse. Umbauten am Felsen wären aber nicht mehr zurückzusetzen, der Bunker unwiderruflich zerstört. Stadt und documenta werden auf der Internetseite dazu aufgerufen, die Bunkeranlage „in ihrer Ursprünglichkeit“ zu erhalten.

Unter Denkmalschutz

Alle Informationen zur documenta finden Sie in unserem documenta-Themen-Spezial und im documenta Portal im Regiowiki.

„An der Substanz der Stollenanlage wird nichts verändert“, stellt Henriette Gallus, Sprecherin der documenta 13, auf Anfrage der HNA klar. Alles, was innen installiert werde, baue man anschließend zurück. Weil die Anlage unter Denkmalschutz steht, sei auch gar nichts anderes denkbar, betont Gallus. Man könne die Sorge der Freunde des Bunkers nachvollziehen, sagt die documenta-Sprecherin. Deshalb hätten Stadt und documenta für Mittwoch zu einem gemeinsamen, klärenden Gespräch eingeladen. Der Bunker ist im Besitz der Stadt Kassel, bei der die documenta einen Bauantrag für die vorübergehende Nutzung gestellt hat.

Bespielt werden sollen zwei Bereiche der verzweigten Stollenanlage. Dafür müsse man je zwei Zugänge vorhalten, erklärt Rob Feigel, Installationsleiter der documenta 13. Deshalb würden vier bestehende Zugänge zum Bunker, die derzeit verschlossen sind, geöffnet. Einer davon sei seit den 50er-Jahren zugemauert, weil der Gewölbebogen dahinter eingebrochen sei. Diesen Bereich werde man im Originalstil mit Klinkern erneuern.

Außerdem werde man die Türen der vier Eingänge instand setzen. Diese entsprächen derzeit nicht den Sicherheitsvorschriften, um dort regelmäßig Besucher ein- und auszuschleusen, sagt der Installationsleiter. In die beiden Stollen sollen jeweils maximal 50 Menschen gelassen werden. Die Durchgänge zum weiteren Stollensystem würden versperrt, damit sich niemand verlaufen könne. Der im oberen Teil gelegene Stollen, in dem documenta-Kunst gezeigt werden soll, ist laut Feigel barrierefrei zugänglich.

100 Tage nur eine Fahrspur

Damit die documenta-Gäste die Eingänge auch sicher erreichen können, müsse während der Ausstellung der rechte Fahrstreifen der Frankfurter Straße stadtauswärts gesperrt werden. Denn der Gehweg am Fuß des Weinbergs entlang der Hauptverkehrsstraße sei nur 30 Zentimeter breit.

Die letzte Führung im Weinbergbunker vor der documenta wird am 1. März stattfinden. Sie ist bereits ausgebucht. Nach der Weltkunstausstellung wird der Bunker wieder wie bisher zugänglich sein.

Ausführliche Informationen in einer virtuellen Führung mit 20 Ansichten liefert ein Panoramafoto. Mit dem Mauszeiger auf dem Computerbildschirm kann man dort durch die Tiefen des Weinbergs navigieren.

Von Katja Rudolph

Quelle: mydocumenta

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