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Windhündin Human ist tot: Sie war der Star der documenta 13 in Kassel

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Von: Christina Hein

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d13-Künstler Pierre Huyghe hatte der Hündin ein pinkfarbenes Bein verpasst.
Auf der d 13: Künstler Pierre Huyghe hatte der Hündin ein pinkfarbenes Bein verpasst. © Mark-Christian von Busse

Die zur d13 zum Kunstwerk geadelte Windhündin Human ist in Kassel gestorben. Ihr Halter, der Künstler Marlon Middeke, hat dazu ein Interview in der Kunstzeitschrift Monopol gegeben.

Kassel – Sie dürfte die wohl berühmteste Windhunddame Kassels gewesen sein. Im Jahr 2012 war die weiße Podenco-Hündin in einem Areal der Karlsaue, wo sie 100 Tage lang als Teil der documenta-Arbeit „Untilled“ des französischen Künstlers Pierre Huyghe fungierte, zusammen mit ihrem Sohn die Attraktion des Sommers. Stundenlang wurde sie von den documenta-Besuchern beobachtet und dabei tausendfach fotografiert.

Huyghe hatte ihr den Namen „Human“ (Mensch) gegeben und, um ihr ein Alleinstellungsmerkmal zu verpassen, den rechten Vorderlauf pink gefärbt.

Der Kasseler Künstler Marlon Middeke ist mit seiner Hündin, dem d 13-Publikumsliebling Human, zu einer Ikone geworden.
Ästhetisch: Der Kasseler Künstler Marlon Middeke ist mit seiner Hündin, dem d 13-Publikumsliebling Human, zu einer Ikone geworden. © Muhamed Osmancevic

Bereits vergangenes Jahr im November war Human im geschätzten Alter von 13 Jahren in Kassel gestorben. Ihr Halter Marlon Middeke (34) hatte ihren Tod, der ihm sehr nahe gegangen war, erst jetzt über die sozialen Medien öffentlich gemacht. Aktueller Anlass war ein Interview mit Monopol-Redakteurin Saskia Trebing über Middekes d 13-Mitarbeit unter anderem als Betreuer des Huyghe-Areals, wo es wild wachsende Pflanzen und Bienen gab. Zu Huyghes Abmachung mit Middeke hatte gehört, dass der damalige Umwelttechnik-Student nach der documenta 13 Human und ihren Sohn Señor bei sich aufnahm. So wurden sie zu Familienmitgliedern, denn die gesamte Familie Middekes, die in Kassel und Fuldabrück wohnt, kümmerte sich fortan um die Tiere.

Die letzten zehn Jahre mit Human, die er „Uma“ rief, hätten etwas mit ihm gemacht, sagt Marlon Middeke nachdenklich. „Die Leute habe mich immer mit ihr in Zusammenhang gebracht und ständig nach ihr gefragt.“ Auch optisch passten die beiden – langbeinig und schlank – gut zusammen. Humans Magerkeit war immer wieder Thema. Warum ist die so dünn? hätten viele d 13-Besucher gefragt. „Das ist ein Windhund, die frisst nicht viel mehr. Es geht ihr gut“, hat er Hunderte Mal die Fragenden beruhigt.

Inzwischen ist Marlon Middeke nach längeren Auslandsaufenthalten – unter anderem in den USA im Auftrag Huyghes – selber als Künstler unterwegs und studiert Bildende Kunst in Kassel.

Über Human sagt er: „Wir hatten eine enge Verbindung. Sie war eine echte Diva und bedurfte immer einer hohen Aufmerksamkeit.“

Ursprünglich war das Tier von Jägern in Spanien angeschafft worden. Als sie verbraucht und fürs Jagen zu langsam geworden war, wurde sie ausgesetzt, musste sich als Straßenhund durchschlagen und landete in einem deutschen Tierheim, wo sie Huyghes für die d 13 persönlich ausgesucht hatte. Middeke bestellte er als „Caretaker“ vor Ort. Während der d 13 verbrachte er 100 Tage mit den Tieren draußen. Nur zum Schlafen ging es nach Hause.

„Das documenta-Projekt hat mich verändert, sagt Marlon Middeke. „Es ist zum Teil von mir geworden.“ Neben der Erinnerung ist Familie Middeke als lebendiges Souvenir noch Humans Sohn Señor geblieben.

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